Pflegeversicherung
Seit dem 1. Januar 1995 ist mit der Einführung der gesetzlichen Pflegeversicherung die soziale Versorgung der Bürger komplettiert worden. Versicherungspflichtig sind grundsätzlich alle Bürger: in der Sozialen Pflegeversicherung derzeit rund 70,5 Millionen Menschen, weitere rund 9 Millionen sind privat pflegeversichert (Stand 1.7.2005).
Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung sind die Bundesbürger im Pflegefall nicht vollversichert. Die Pflegeversicherung soll mit ihrem Leistungsangebot Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen helfen, die mit der Bedürftigkeit verbundenen persönlichen und finanziellen Belastungen zu tragen.
Die Mitglieder und deren Familienangehörige können zwischen Sach- und Geldleistungen wählen. Die überwiegende Mehrheit der gegenwärtig 1,95 Millionen Pflegebedürftigen (Stand: 2005) wird ambulant versorgt, nur rund 640.000 sind auf stationäre Hilfe in Pflegeheimen angewiesen. Die Höhe der Leistungen richtet sich - gestaffelt in drei Pflegestufen - nach dem Schweregrad der Pflegebedürftigkeit, wobei in den Pflegestufen I und II die Leistungssätze für stationäre Versorgung über denen der ambulanten Pflege liegen.
Der Einführung ist ein langer Expertenstreit über die Ausgestaltung der Pflegeversicherung vorausgegangen. Am Ende entschied sich der Gesetzgeber für ein Umlagesystem, in dem die laufenden Beitragseinnahmen unmittelbar zur Deckung der anfallenden Pflegekosten verwendet werden. Damit droht auch der gesetzlichen Pflegeversicherung langfristig ein demographisch bedingtes Finanzierungsproblem (Grafik), denn die meisten Pflegefälle treten im Alter auf. Mit dem steigenden Altersquotienten nimmt die Zahl der Pflegebedürftigen zu, die Zahl der Beitragszahler dagegen schwindet. Deshalb werden ohne grundlegende Reformen in Zukunft auch in diesem Sozialversicherungszweig Beitragssatzerhöhungen unvermeidbar. (Pi)
Weiterführende Informationen:
Pflegeversicherung - Teures Reförmchen, Institut der deutschen Wirtschaft Köln, iwd Juni 2007
Die große Koalition hat sich lediglich auf eine „kleine Reform“ der gesetzlichen Pflegeversicherung einigen können – nämlich das Leistungsspektrum großzügig zu erweitern. Dies treibt den Beitragssatz ab Juli 2008 auf 1,95 Prozent und verstärkt die demografisch bedingten Probleme, statt sie zu lösen.
Weiter...
Studie: Zukunft der Pflege, von Professor Reinhold Schnabel
Die Zahl der Hochbetagten wird bis 2050 auf bis zu zehn Millionen anwachsen. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens, das Professor Reinhold Schnabel von der Universität Duisburg-Essen über "Die Zukunft der Pflege" für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft angefertigt hat.
zur Studie.
WISO Pflegeversicherung. Einstufung, Leistungen, Streitfälle, von Thomas J. Kramer
Kurzbeschreibung: Die Zahl der pflegebedürftigen Personen steigt laufend. Betroffene und ihre Angehörigen sind mit einer Reihe wichtiger Fragen rund ums Thema Pflege konfrontiert; breiten Raum nimmt dabei die Pflegeversicherung ein. Fragen wie - "Wer hat Anspruch auf Leistungen? Wie stellt man formgerecht Anträge auf Pflegeversicherungsleistungen? Was tun, wenn die Pflegekasse nicht zahlt oder die Einstufung nicht gerecht ist? Worauf kommt es im Gespräch mit dem Gutachter an?" - beantwortet der Autor klar und verständlich und gibt viele wertvolle Tipps und Ratschläge.
Zu beziehen unter anderem hier.
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 29. Juli 2007, INSM-Berater Bernd Raffelhüschen prophezeit Kostenlawine in der Gesetzlichen Pflegeversicherung
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat in einem Artikel Berechnungen von Professor Dr. Bernd Raffelhüschen zur Gesetzlichen Pflegeversicherung veröffentlicht. Weil die Pflege älterer Menschen volkswirtschaftlich immer mehr kostet, werde der Beitragssatz zur Gesetzlichen Pflegeversicherung von derzeit 1,7 Prozent (1,95 Prozent für Kinderlose) auf etwa sieben Prozent steigen, wenn das System nicht reformiert wird. Zum 1. Juli 2008 soll der Beitragssatz in der GPV auf 1,95 beziehungsweise 2,2 Prozent steigen.
„Die Beitragssätze müssen extrem stark steigen, um die bisherigen Leistungen weiter zu finanzieren“, sagte Professor Raffelhüschen der FAS. Der Freiburger Professor fordert mehr kapitalgedeckte Privatvorsorge und meint: „Noch können wir aus der umlagefinanzierten Pflegeversicherung aussteigen.“ Professor Dr. Bernd Raffelhüschen ist Berater der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

