Aktives Altern

Die weltweite Erhöhung der allgemeinen Lebenserwartung bei zunehmendem Durchschnittsalter wird einerseits allgemein als ein zivilisatorischer Erfolg betrachtet, andererseits entstehen daraus auch neue Herausforderungen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verabschiedete deshalb 2002 für die Politik ein neues Paradigma vom Altern. Es hat im Begriff vom "aktiven Altern" seinen Niederschlag gefunden.

Die WHO versteht unter "aktivem Altern" einen "Prozess der Optimierung der Möglichkeiten von Menschen, im zunehmenden Alter ihre Gesundheit zu wahren, am Leben ihrer sozialen Umgebung teilzunehmen und ihre persönliche Sicherheit zu gewährleisten, und derart ihre Lebensqualität zu verbessern". Er soll den Menschen die Möglichkeiten bieten, ihr körperliches, soziales und geistiges Wohlbefinden auszuschöpfen (Gesundheit) und möglichst lange selbständig und unabhängig zu bleiben; Hilfsbedürftigen soll ausreichender Schutz, Sicherheit und Pflege zuteil werden. Als "ältere Menschen" werden entsprechend der Standarddefinition der Vereinten Nationen (UN) von der WHO diejenigen angesehen, die sechzig Jahre und älter sind. Das Konzept "aktiven Alterns" soll einen breiten Rahmen für die Entwicklung globaler, nationaler und lokaler Strategien bilden. Sowohl die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wie auch die Europäische Union (EU) als auch nationale Regierungen wie die Deutschlands stehen hinter dieser Leitvision.

Mit ihr verbunden ist die Überzeugung, dass die älteren Menschen nicht nur Kosten verursachen, sondern vor allem auch eine Bereicherung für Wirtschaft und Gesellschaft darstellen können. Dahinter steht aber auch die Einsicht, dass ältere Menschen keine homogene Gruppe darstellen. Der Begriff wird dabei sowohl auf Einzelne als auch auf Bevölkerungsgruppen bezogen.

"Aktiv" bedeutet: andauernde Teilnahme am sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und zivilem Leben; die Ausweitung von Lebenserwartung und -qualität; "Gesundheit" heißt:körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden. Als bestimmende Faktoren für ein "aktives Altern" kommt eine Reihe von Einflüssen in Frage: Kultur, Geschlecht, wirtschaftliche, soziale und persönlichkeitsabhängige Einflüsse, Lebensstile, Gesundheit und soziale Sicherheit sowie auch die physische Umgebung. Entsprechend dieser Einflussfaktoren sollen politische Maßnahmen entwickelt werden, um die Voraussetzungen für ein "aktives Altern" zu verbessern. Der politische Rahmen für das "aktive Altern" stützt sich dementsprechend auf drei Säulen: Schutz der Gesundheit; Teilnahme und Einbindung in Wirtschaft und Gesellschaft; Beachtung der Bedürfnisse nach sozialer, finanzieller und körperlicher Sicherheit. Eine Ermöglichung "aktiven Alterns" bietet für Wirtschaft und Gesellschaft vielfältige Chancen, die Leistungsressourcen Älterer (Berufs- und Lebenskompetenzen) besser als bisher zu nutzen. Dies liegt auch im Interesse sehr vieler älterer Menschen selbst. (Me)


Weiterführende Informationen:

Psychologie des Alterns, von Ursula Lehr

Kurzbeschreibung: Die Autoren haben das Buch unter Berücksichtigung der aktuellen Literatur inhaltlich auf den neuesten Stand gebracht. Teilweise wurden die Kapitel komplett überarbeitet und neu gegliedert. Durch die Veränderungen spricht das Buch nicht mehr nur Studenten der Universitäten und Fachhochschulen an, sondern bietet sich ebenso als Grundlage für Altenpfleger in der Ausbildung an.
Dieses Buch ist mit über 40.000 verkauften Exemplaren längst ein Standardwerk der Gerontologie. Von der demografischen Bevölkerungsveränderung über die Theorien des Alterns, die Veränderung der Gedächtnisleistung, die Kreativität, das sexuelle Verhalten, Fremdeinschätzung und Selbsterleben, die Leistungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer, ältere Menschen und Medien bis zur Auseinandersetzung mit dem Tod. Eine unverzichtbare Informationsquelle für Gerontologen und Psychologen und auch für Angehörige älterer Menschen, Ärzte, Pflegepersonal sowie alle die sich mit dem Altern konstruktiv und offensiv auseinandersetzen wollen.

Zu beziehen unter anderem hier.

 

BMFSFJ (Hrsg.), 2006, Fünfter Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland. Potenziale des Alters in Wirtschaft und Gesellschaft - der Beitrag älterer Menschen zum Zusammenhalt der Generationen, Berlin

Hier geht es zum Bericht