Alter / Altern
In neuerer Zeit sind durch den demographischen Wandel die Begriffe "Alter" und "Altern" wieder stärker in den Mittelpunkt der wissenschaftlichen und politischen Diskussion gerückt, obwohl der demographische Wandel kein neues Phänomen ist. Die Begriffe Alter und Altern bezeichnen zum einen den statischen und zum anderen den dynamischen Aspekt der Zeitdauer zwischen dem (erstmaligen) Auftreten eines bestimmten Objektes oder Zustandes und dem folgenden Zeitpunkt seiner Selbst- oder Fremdbeobachtung.
Im Vordergrund der statischen Betrachtung steht das Resultat des Altwerdens des Menschen im Zeitverlauf. Bezogen auf den Menschen spricht man vom biographischen oder kalendarischen (chronologischen) Alter; aber auch vom biologischen (körperlichen Alter), psychologischen (subjektives Erleben, persönliches Empfinden des Alters) sowie vom sozialen und funktionalen Alter (status- und rollenabhängiges Alter).
Der dynamische Aspekt umschreibt dagegen den Prozess der Entwicklung und Reife im Lebensablauf sowie die Prozesse und Mechanismen, die zum Alter führen. Prozesse der Reifung gelten nicht alleine in Bezug auf das vorberufliche und das Berufsleben, die Familiengründung und Selbstidentifikation in jüngerem Alter, sondern auch danach für die Auseinandersetzung mit körperlichen Einschränkungen, der Veränderung sozialer Kontakte und Rollenanforderungen. Das Altern umfasst somit die gesamte Lebensspanne. Die Prozesse gelten in großen Teilen als beeinflussbar und können Gewinne wie auch Verluste beinhalten. Altern unterliegt mithin der Plastizität.
Das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA), Berlin, nennt die folgenden Lebensabschnitte des Menschen:
Kindheit:
Geburt bis 12/14 Jahre Jugend: 14 bis 18/21 Jahre;
Erwachsenenalter:
junges Erwachsenenalter: 18/21 bis 35/40 Jahre mittleres Erwachsenenalter: 35/40 bis 60/65 Jahre;
Alter:
junge Alte: 60/65 bis 75/80/85 Jahre alte Alte/Hochbetagte: über 75/80/85 Jahre.
In Bezug auf die Kategorisierung Älterer werden oft folgende Stufen benannt:
Ältere Menschen: 55/60/ bis unter 70-Jährige alte Menschen: über 70-Jährige bis 75-Jährige betagte Menschen: über 75-Jährige bis 80-Jährige hoch betagte Menschen: über 80-Jährige. Doch darüber hinaus wird Alter heute als sehr relativ und individuell aufgefasst, zumal es keine Übereinstimmungen zwischen kalendarischen Merkmalen und Persönlichkeitseigenschaften gibt; das Altsein entzieht sich mithin einer allgemeingültigen Definition. Die Multidimensionalität der Sichtweisen, aus denen man Alter auffassen und definieren kann, erschwert einen Konsens darüber, was man unter Alter versteht. Man scheint sich am einfachsten über das kalendarische Alter verständigen zu können, soweit man über gleiche Zeiteinheiten verfügt. Alter stellt sich deshalb aus sozialwissenschaftlicher Sicht als ein "soziokulturelles Konstrukt" heraus.
Die Verlängerung der durchschnittlichen Lebenserwartung, also die Verlängerung des Alters im Allgemeinen sowie die Zunahme der so genannten Hochaltrigkeit im Besonderen, stellt bei gleichzeitigem Bevölkerungsrückgang die sozialen Sicherungssysteme und die moderne Leistungsgesellschaft heute vor neue Herausforderungen. Ein wichtiger Teil der Diskussion bezieht sich auch auf den Zusammenhang zwischen Alter und persönlicher Leistungsfähigkeit im Berufsleben. Wissenschaftlichen Studien zufolge besteht zwischen Beidem kaum ein nennenswerter Zusammenhang. Wichtig wird es werden, altersgerechte Arbeitsplätze und -organisationen zu schaffen, um die Leistungspotenziale Älterer zu nutzen. Die Ausweitung der nachberuflichen Phase hat auch zur Diskussion über die weiteren produktiven Beiträge der Älteren für die Gesellschaft geführt (ziviles Engagement, Generationensolidarität usw.).
Da weltweit bei etwas langsamerem Bevölkerungswachstum die Lebenspanne zwischen Geburt und Lebensende zunimmt, besteht die politische Vision der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2002 in einer Befähigung zum "aktiven Altern" im Sinne möglichst großer persönlicher Entscheidungs-Autonomie, einer möglichst großen persönlichen Unabhängigkeit von Dritten und hohen Lebensqualität sowie einer Lebenserwartung bei voller Gesundheit. (Me)
Weiterführende Informationen:
Dossier Demografie auf www.insm.de
Seit Gründung der DDR hat Ostdeutschland ein Viertel der Bevölkerung verloren. Bis 2050, so die Prognosen, könnte es noch einmal die Hälfte der jetzigen Bewohnerschaft sein. Die neuen Länder haben damit im Zeitraffer erlebt, was auf andere Gebiete Deutschlands erst noch zukommt. Insgesamt wird sich die Bundesrepublik zunehmend teilen in Regionen der Schrumpfung und des Wachstums.
Dabei ziehen die Menschen einerseits vom Land in jene Ballungsräume, die eine wirtschaftliche Perspektive bieten; andererseits aus den urbanen Zentren in deren immer breiter werdende Grüngürtel, die mehr Lebensqualität versprechen. Aber selbst dort fehlen die Kinder. Die Republik wird, zuerst in den Schwundregionen, bald jedoch bundesweit, zu einem Land der Alten.
Lesen Sie dazu auch eine Position des Demografie-Forschers Professor Dr. Axel Börsch-Supan. Zitat: "Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz, dass die Menschen im Produktionsprozess im Alter zwischen 50 und 60 Jahren weniger produktiv wären als jüngere. Zwar nimmt mit dem Älterwerden die körperliche Leistungsfähigkeit ab, aber diese ist in der Wissensgesellschaft weniger wichtig. Dafür steigen aber Erfahrung, Menschenkenntnis und Organisationswissen im Alter. Gepaart mit einer verbesserten Fort- und Weiterbildung bis ins hohe Alter haben wir hier enorme Potenziale."
Die Zukunft des Alterns. Die Antwort der Wissenschaft, von Peter Gruss
Kurzbeschreibung: Das Buch informiert in allgemeinverständlicher Sprache über den neuesten Stand der Alternsforschung und die relevanten biologischen Prozesse. Die Autoren sind international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vorwiegend der Max-Planck-Gesellschaft. Ihre Erkenntnisse helfen, das Phänomen "Altern" grundlegend zu verstehen. In den wohlhabenden Staaten werden die Menschen immer älter. Während die durchschnittliche Lebenszeit steigt, boomt der Absatz von Anti-Aging-Produkten. Es wollen zwar alle lange leben, dabei aber jung bleiben. Erstaunlich jedoch ist, wie wenig wir über den Prozess des Alterns und seine Hintergründe und Zusammenhänge wissen.
Unter anderem ist dieses Buch hier zu beziehen.
Das Methusalem-Komplott, von Frank Schirrmacher
Kurzbeschreibung (Auszug aus Amazon.de): Die demografische Katastrophe, auf die wir unweigerlich zusteuern, ist nicht nur das versicherungsmathematische Problem. Alter ist von jeher mit vielen weiteren, nicht minder existenziellen Nöten und Sorgen behaftet als nur mit denen um die so genannte "Alterssicherung". Das Nachlassen der körperlichen und geistigen Kräfte, Krankheit, Angst und Tod werden mit zunehmendem Alter immer bestimmendere Lebensthemen. Als sei dies für das Individuum nicht schon schlimm genug, kommt eben diese Lebensproblematik mit vielfacher Wucht nun zusätzlich noch auf die Gesellschaft als ganze zu. Die nämlich hat längst begonnen, in einem in jeder Hinsicht beängstigenden Maße zu "überaltern".
Das alles klingt gewiss alles andere als ermutigend. Trotzdem ist Schirrmachers Buch letztendlich eine ganz entschiedene Ermutigung. Woraus nämlich allein Rettung erwachsen kann, ist eine grundstürzende und grundlegende Revolution des Bildes, das wir uns von unserem Leben und unserem Alter machen. Die Aufgabe ist keine geringe. "Die Frage ist, wie wir den Steinzeitmenschen in uns an eine fast verfünffachte Lebenserwartung gewöhnen können." Wenn wir diese Aufgabe ernst nehmen, können wir das Blatt zum Guten wenden, so könnte man das Fazit des Buches auf einen kurzen Nenner bringen. "Wir müssen verlernen, was unsere Kultur und unsere Biologie uns über das Alter eingaben. Sie haben, um es trivial auszudrücken, nicht mehr Recht. Es ist vorbei mit der unbestrittenen Herrschaft der Jugend über das Alter." Daraus gilt es, Konsequenzen zu ziehen. Und genau dafür bietet Schirrmacher viele interessante Anknüpfungspunkte.
Unter anderem ist dieses Buch hier zu beziehen.

