Arbeitszeit
Die westdeutsche Industrie muss mit den weltweit kürzesten Sollarbeitszeiten zurecht kommen. Die Dauer der Arbeitszeit kann sowohl auf die Produktionskosten als auch auf die Produktivität Einfluss haben. Bei einer Arbeitszeitverkürzung erhöht sich durch eine Verdichtung der Arbeit oft die Arbeitsproduktivität. Dem stehen jedoch viele negative Effekte gegenüber:
Die Arbeitszeitverkürzung war in der Vergangenheit mit einem zumindest teilweisen Lohnausgleich verbunden - die Arbeitskosten je Stunde erhöhten sich also. Die Gewerkschaften sind zudem bestrebt, besonders für die unteren Lohngruppen einen vollen Lohnausgleich durchzusetzen. Dadurch verteuert sich die Arbeitsstunde von unqualifizierten Mitarbeitern besonders und deren ohnehin prekäre Arbeitsmarktsituation verschlechtert sich weiter.
Auf der anderen Seite verschärft eine kurze Arbeitszeit den Mangel an qualifizierten Fachkräften, so dass Produktionspotenziale nicht voll genutzt werden können.
Kurze Arbeitszeiten machen es auch schwierig, den Maschinenpark optimal zu nutzen. In der letzt verfügbaren Untersuchung der EU-Kommission über Maschinenlaufzeiten in Europa bildet Deutschland das Schlusslicht: Danach liefen die Produktionsanlagen der deutschen Industrieunternehmen durchschnittlich nur 60 Stunden pro Woche - 9 Stunden weniger als im EU-Durchschnitt. Seit dieser Umfrage sind die Arbeitszeiten in Deutschland zwar flexibler geworden, so dass eine Entkoppelung von Arbeits- und Betriebsnutzungszeit nun eher möglich ist. Aber auch hier sind Grenzen gesetzt: So ist die Arbeitszeitverkürzung vielfach durch die Gewährung zusätzlicher Freischichten umgesetzt worden. Fallen nun Überstunden an, wird es immer schwieriger, diese später wieder abzufeiern. (Sch)

