Atypische Beschäftigung
Erwerbstätige nach Beschäftigungstyp" /> Noch bis in die achtziger Jahre hinein war das so genannte "Normalarbeitsverhältnis" - also eine abhängige Beschäftigung in Vollzeit, unbefristet und nicht als Zeitarbeitsverhältnis - die allgemein als üblich und wünschenswert bezeichnete Erwerbsform. Seit sich davon abweichende Formen zunehmend etabliert haben, werden Forderungen laut, diese "atypische Beschäftigungsformen" zu begrenzen, zumindest aber in die bestehenden sozialen Sicherungssysteme zu integrieren.
Als atypische Beschäftigungsverhältnisse werden gewöhnlich Teilzeit, befristete Beschäftigung, Selbstständigkeit und Zeitarbeit bezeichnet. Zumindest bei Selbstständigen ist diese Einordnung und implizite Charakterisierung als problematische Erwerbsform jedoch fragwürdig. Auch Teilzeitarbeit stellt - insbesondere für viele Frauen - häufig die bevorzugte Erwerbsform dar.
2005 gab es in Westdeutschland mehr als 13 Millionen atypische Beschäftigte (Zeitarbeiter nicht mitgerechnet). In den neuen Bundesländern waren es knapp 3 Millionen. Der Anteil der atypischen Beschäftigung an allen Erwerbstätigen beträgt damit knapp 42 %. Seit 1985 sind in Westdeutschland über 3,6 Millionen solcher Beschäftigungsverhältnisse hinzugekommen.
Die einzelnen Komponenten entwickelten sich jedoch unterschiedlich. So veränderte sich die Zahl der Selbstständigen und der im Nebenerwerb geringfügig Beschäftigten kaum,während die Teilzeitarbeit (inklusive der hauptberuflich geringfügig Beschäftigten) deutliche Zuwächse verzeichnete. Das hohe Wachstum der Teilzeitarbeit hängt eng mit der steigenden Erwerbsbeteiligung von Frauen zusammen. 2005 gab es in Westdeutschland rund 3 Millionen Selbstständige (in Voll- und Teilzeit), 5,8 Mio. Teilzeitbeschäftigte (inkl. der befristet Teilzeitbeschäftigten) und 1,3 Mio. befristet Vollzeitbeschäftigte.
Trotz der zunehmenden Bedeutung atypischer Beschäftigung wurden die Normalarbeitsverhältnisse nicht in gleichem Maße verdrängt. Ihre Zahl blieb zwischen 1985 und 2005 in etwa stabil. Analysen zeigen, dass pro Jahr mehr Personen von atypischen Beschäftigungsverhältnissen in Normalarbeitsverhältnisse wechseln als umgekehrt. Die atypischen Erwerbsformen sorgen also für zusätzliche Beschäftigung und wirken darüber hinaus als Sprungbrett in "normale" Arbeitsverhältnisse. (Kl/Hs)
Weiterführende Informationen:
Martin Kannegiesser im Rheinischen Merkur: Wie die Zeitarbeit Jobs auf Dauer schafft
In einem Gastbeitrag im Rheinischen Merkur spricht sich Martin Kannegiesser, Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, für eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes aus, damit die Prognosen auch für das Jahr 2008 günstig bleiben.
weiter...
Der Arbeitsmarkt - Deutschland übertreibt die Regulierung, Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), iwd Juni 2007
Jobs auf Zeit unterliegen in den meisten EU-Ländern besonderen Bestimmungen. Aber selbst dort, wo sehr strenge Regelungen gelten wie in Spanien, hält das Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht davon ab, befristete Arbeitsverträge abzuschließen.
Weiter...
"Arbeitnehmerüberlassung. Grundlagen, Entwicklung, Ziele" von Sonja Elghahwagi
Kurzbeschreibung: Arbeitnehmerüberlassung und Zeitarbeit haben sich sowohl in Deutschland als auch auf internationaler Ebene in den letzten 30 Jahren zu einem festen Bestandteil der Unternehmens- und Beschäftigungslandschaft entwickelt. Neben den international tätigen Zeitarbeitsunternehmen etabliert sich eine wachsende Anzahl national agierender Agenturen am Markt. Wie lässt sich die steigende Nachfrage nach dieser Beschäftigungsform erklären? Welche Vorteile bietet die Zeitarbeitsfirma als zwischengeschaltete Instanz den Unternehmen? Sonja Elghahwagi gibt einführend einen Überblick über die Entwicklung der Arbeitnehmerüberlassung in Deutschland und im europäischen Ausland und stellt die gesetzlichen Veränderungen ebenso wie die Marktentwicklung und -struktur der Zeitarbeit dar. Darauf aufbauend analysiert die Autorin die Erfolgsfaktoren der Leiharbeit und erläutert die Ursachen der hohen Nachfrage, die dieses besondere Beschäftigungsverhältnis erfährt. Grundlage ihrer fundierten Untersuchung bilden die institutionenökonomischen Theorien der Organisation, wobei die Theorie der Verfügungsrechte, die Prinzipal-Agent-Theorie und die Transaktionskostentheorie zu Grunde gelegt werden. Das Buch richtet sich an Entscheidungsträger der Zeitarbeitsbranche und ihrer Verbände, an Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmen.
Zu beziehen unter anderem hier.

