Beschäftigung
Die Beschäftigung in einer Volkswirtschaft ist im Falle eines ausreichenden Arbeitskräfteangebots das Ergebnis der Nachfrage von Unternehmen und öffentlichen Arbeitgebern nach Arbeitskräften auf dem Arbeitsmarkt. Da das Gut "Arbeitskraft" als besonders schutzwürdig gilt, hängt die Höhe der Beschäftigung in vielen Ländern aber nur in erheblich eingeschränktem Umfang von Marktkräften ab.
Nachhaltigen Einfluss auf die Beschäftigungsmenge haben auch der Ausgang der Tarifvertragsverhandlungen, in denen unter anderem der Lohn als Preis der Arbeitsleistung festgelegt wird, das Arbeitsrecht, die Höhe und Struktur der Sozialausgaben, die Arbeits- und Maschinenlaufzeiten sowie die Ausgestaltung der Arbeitsmarktpolitik.
Beschäftigung ist kein feststehender, klar definierter Begriff. Unterschieden werden können:
- sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: Abhängige Beschäftigung mit Sozialversicherungspflicht, also ohne Beamte oder geringfügig Beschäftigte.
- abhängig Erwerbstätige.
- Erwerbstätige: Alle abhängig Erwerbstätigen zzgl. Selbstständige und mithelfende Familienangehörige.
Rein rechnerisch ist die Erwerbstätigkeit als Summe aus abhängiger und selbständiger Beschäftigung die Differenz zwischen dem Erwerbspersonenangebot und der registriertenArbeitslosigkeit. Da sich aber das Erwerbspersonenangebot einer Volkswirtschaft durch Veränderungen der Bevölkerungszahl und deren Altersstruktur, durch ein verändertes Erwerbsverhalten der Bevölkerung oder durch Wanderungen von Erwerbspersonen verändern kann, müssen sich Beschäftigung und Arbeitslosigkeit nicht unbedingt gegenläufig entwickeln. Sowohl Beschäftigung als auch Arbeitslosigkeit können zunehmen (abnehmen), wenn das Erwerbspersonenangebot stärker zunimmt (abnimmt) als die Zahl der Arbeitsplätze.
Die Veränderungen bei der Beschäftigung sind ein guter Indikator für den Strukturwandel der gesamten Volkswirtschaft. Die Drei-Sektoren-Hypothese prognostizierte zutreffend den relativen Bedeutungsverlust des Primären Sektors (Landwirtschaft, Bergbau) und des Sekundären Sektors (Produzierendes Gewerbe) sowie die Expansion des Tertiären Sektors (Dienstleistungen). (Kl/Hs)
Weiterführende Informationen :
Arbeit ist für alle da! Neue Wege in die Vollbeschäftigung, von Florian Gerster
Rezension Neue Zürcher Zeitung, 10.05.2003: Florian Gersters "Arbeit ist für alle da" hat den "pra" zeichnenden Rezensenten durchaus überzeugt. "Erstaunlich konkret angelegt" nennt er das von Gerster vorgelegte Reformprogramm. Gerster gelinge es, den Anpassungsbedarf der deutschen Institutionen "leicht verständlich und eindringlich zu erklären", lobt der Rezensent. Komplexe arbeitsökonomischen Zusammenhänge stelle Gerster ebenso anschaulich dar wie die Organisation und die historische Entwicklung der Institutionen der staatlichen Arbeitsvermittlung und des Arbeitsrechts. Der Rezensent hebt hervor, dass Gerster den Finger vor allem auf die Wirtschafts- und die Finanzpolitik legt, die zusammen mit einer vernünftigen Tarifpolitik die Rahmenbedingungen verbessern müssten. Die Stichworte dazu könnten nach Ansicht des Rezensenten aus einer jener Quellen stammen, die in Deutschland gerne als "neoliberal" diffamiert würden: eine zurückhaltende und flexiblere Tarifpolitik, Abbau von Subventionen und Markteintrittsbarrieren, Deregulierung des Kündigungsschutzes, Rückführung des Staatskonsums und des Staatsdefizits sowie vor allem eine markante Reduktion der Lohnnebenkosten.
Das Buch ist unter anderem hier zu beziehen.

