Bürokratie

Grafik: Bürokosten Das Wort Bürokratie setzt sich aus zwei Teilen zusammen: dem französischen "bureau" (Büro) und dem griechischen "kratia" (Herrschaft). Die Bezeichnung wurde im 18. Jahrhundert in Frankreich zuerst benutzt. Bürokratie ist ein konstituierendes Merkmal jeder Organisation. Während der Markt den freiwilligen Austausch von Leistungen auf vertraglicher Grundlage vorsieht, können Staaten und andere Organisationen nur durch Regeln und Hierarchien funktionieren. Hierdurch entstehen Anreiz-, Delegations- und Kontrollprobleme, die zwangsläufig Bürokratie verursachen.

Der Begriff Bürokratie weist einen engen Bezug zur Regulierung auf. Regulierung umfasst jedoch auch die inhaltlichen Aspekte von Gesetzen und Verordnungen sowie der Art ihrer Durchführung, während Bürokratie zumindest bei einer engen Begriffsabgrenzung die administrativen Belastungen der Durchführung von den Inhalten trennt.

Eine systematische Erfassung der von administrativen Bestimmungen und bürokratischen Verfahren ausgehenden Kosten findet in Deutschland bislang nicht statt. Dies mag auch daran liegen, dass die Messung von Bürokratie durch ihre vielfältigen Formen erschwert wird und jeder Betroffene darunter etwas anderes versteht. In Ermangelung einer Vollerfassung werden oft die 46 Milliarden Euro Bürokratiekosten zitiert, die das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) 2004 basierend auf einer Unternehmensbefragung für die Gesamtwirtschaft hochgerechnet hat. Von dieser Summe entfiel mit 84 Prozent der Löwenanteil auf kleine und mittlere Unternehmen. Gefragt wurde vom IfM allein nach Bürokratiekosten im Zusammenhang mit der Steuererhebung, der sozialen Sicherung, dem Arbeitsrecht und Arbeitsschutz sowie statistischen Erhebungen und Umweltschutz. Die größten Bürokratiekosten verursachte mit etwa 20 Milliarden Euro das Steuerrecht. Die Sozialgesetzgebung schlug mit 13,5 Milliarden Euro zu Buche, Statistik und Arbeitsrecht mit jeweils fünf Milliarden. Das weite Feld der Zulassungen und Genehmigungsverfahren blieb dabeigenauso unberücksichtigt wie z.B. die Kosten der Banken- und Finanzmarktregulierung, so dass die Kostenschätzung letztlich nur einen Teilbereich der Bürokratie für die Wirtschafterfasst hat. Hinzu kommen Bürokratiebelastungen für die Bürger, die kein Thema der Untersuchung waren.

Andere Schätzungen der Bürokratiekosten, die sich stärker auf die Erfahrungen mit detaillierten Bürokratiemessungen in anderen Ländern wie den Niederlanden stützen, kommen auf weit höhere Gesamtkosten der Bürokratie für die Wirtschaft im Umfang von 80 bis 90 Milliarden Euro. Dies entspräche bis zu 4 Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes. Die große Koalition hat 2006 begonnen, auch in Deutschland eine auf den niederländischen Erfahrungen beruhende standardisierte Bürokratiekostenmessung einzuführen, um die Belastung durch Bundesgesetze zu messen und in einem zweiten Schritt gezielt verringern zu können.

Neben der "objektiven" Messung der Bürokratiedichte spielt auch das subjektive Empfinden der Bürger und Unternehmer eine große Rolle. Vor allem wird es als bürokratisches Verhalten empfunden, wenn Ämter die Einhaltung von Verwaltungsregeln vor deren Nutzen für die Bürger stellt. Durch bürger- und wirtschaftsfreundliches Verhalten können Behördenmitarbeiter viel dazu beitragen, dass das Bürokratieempfinden abnimmt. Hierzu können Maßnahmen wie Verwaltungs-Benchmarkings, Schulungen und leistungsorientierte Entlohnung im öffentlichen Dienst beitragen. (Ro)

 

Weiterführende Informationen:


Wohlstandsbremse Bürokratie,  von Klaus-Heiner Röhl

Die staatliche Bürokratie ist nach Meinungsumfragen hinter hohen Steuern und Sozialabgaben das zweitgrößte Hindernis für den unternehmerischen Erfolg in Deutschland. Denn weniger Regulierungen bedeuten mehr Investitionen – und mehr Arbeitsplätze. Bürokratieabbau ist somit ein wichtiger Hebel im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Weshalb führt unnötige staatliche Bürokratie in den Wirtschaftsunternehmen zu hohen Kosten und wie hoch sind diese? Wer sind die Hauptverursacher der Bürokratie und welche Mechanismen laufen dabei ab? Wo sind Lösungsversuche anzusetzen? Die Broschüre gibt die notwendigen Informationen zur Umsetzung des Themas im Unterricht.

Zu beziehen unter anderem hier.

 

Abbau von Bürokratie in Deutschland - Mehr als die Abschaffung von Einzelvorschriften, von Rolf Kroker / Karl Lichtblau / Klaus-Heiner Röhl

Zunehmende Regulierungen und langwierige Verfahren liegen wie Mehltau auf der Wirtschaft. Diese Studie liefert eine empirische Bestandsaufnahme des Bürokratieproblems in Deutschland. Sie untersucht die Ursachen,und wertet umfassend die Vorschläge der Verbände zum Abbau von Bürokratie aus. Vergleiche mit erfolgreichen Lösungsansätzen in anderen Ländern und wichtige Orientierungsregeln für Bürokratievermeidung zeigen mögliche Wege zur Entbürokratisierung. Die Bausteine einer mittelfristigen, ordnungspolitisch orientierten Strategie zum Bürokratieabbau lassen sich zu drei Grundprinzipien zusammenfassen: Effizientere Verfahren, Schaffung von Anreizen und Wettbewerb sowie Mut zur Generalisierung.

Zu beziehen unter anderem hier.

 

Das Dickicht weiter lichten, Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), iwd März 2007

Im heimischen Bürokratiedschungel tummeln sich viele Gärtner – im Jahr 2005 arbeiteten in Deutschland knapp 2,6 Millionen Zivilbeschäftigte in der öffentlichen Verwaltung, der Verteidigung sowie in den gesetzlichen Sozialversicherungen. Zehn Jahre zuvor hatten allerdings noch 2,9 Mil­lionen Beschäftigte die administrativen Geschicke der Bundesrepublik gelenkt.

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