Demografiefaktor
Mit Hilfe eines demografischen Faktors, auch Demographie- oder Nachhaltigkeitsfaktor genannt, sollen die u.a. durch die höhere Lebenserwartung gestiegenen Rentenlaufzeiten mittels einer Absenkung des Rentenniveaus ausgeglichen werden. Ziel ist es, die höheren Kosten im Rentensytem nicht nur auf die derzeitigen Beitragszahler, sondern auch auf die Bezieher von Renten zuverteilen.
Ein Demografische Faktor war unter der CDU-Regierung Kohl von dem damaligen Arbeitsminister Blüm als Teil seiner Bemühungen um eine Reform der Rentenversicherung eingeführt worden. Ersollte der steigenden Lebenserwartung - genauer: 50 Prozent dieses Effekts - Rechnung tragen. Nach ihrem Wahlsieg 1998 hat die rot-grüne Bundesregierung den Demografischen Faktor wiederabgeschafft.
Dem Demografischen Faktor ähnlich ist der von der Rürup-Kommission vorgeschlagene so genannte Nachhaltigkeitsfaktor. Mit dem RV- Nachhaltigkeitsgesetz der rot-grünen Regierungskoalitition kommt dieser Faktor nahezu unverändert ab 2005 zur Anwendung. Er bremst den zukünftigen Rentenanstieg wesentlich stärker als das CDU-Pendant, weil generell jede Veränderung des Beitragszahler-Rentner-Verhältnisses erfasst wird - also nicht nur die steigende Lebenserwartung, sondern auch die niedrige Geburtenrate und die Beschäftigungssituation.
Die Veränderung fließt jedoch nur mit dem Faktor 0,25 in die Formel ein, nach der die gesetzlichen Renten jährlich dynamisiert werden. Dieser Faktor ergibt sich rechnerisch aus der Vorgabe des Gesetzgebers, dass der Beitragssatz zur Rentenversicherung bis 2020 nicht über 20 Prozent und bis 2030 nicht über 22 Prozent steigen darf.
Vor demographisch bedingten Rentenkürzungen werden die Ruheständler allerdings geschützt, denn der Nachhaltigkeitsfaktor kommt überhaupt nur dann zur Anwendung, wenn die durchschnittlichen beitragspflichtigen Bruttoentgelte so stark steigen, dass eine Rentenerhöhung möglich ist. Wegen der schwachen Entwicklung der Durchschnittsentgelte hätte die Anwendung des Nachhaltigkeitsfaktors zum 1. Juli 2005 und 2006 jeweils zu einer Rentenkürzung um jeweils rund ein Prozent (Westdeutschland) geführt. Stattdessen blieb der aktuelle Rentenwert konstant. (Pi)
Weiterführende Informationen:
Demographischer Faktor (Wissen 3000) (Taschenbuch) von Juliane Roloff
Kurzbeschreibung: Das gabs noch nie: Heute leben in Deutschland mehr 60jährige als unter 20jährige. In allen Industriegesellschaften ist ein historisch einmaliger Trend zu verzeichnen: Ein Bevölkerungsrückgang ohne Krieg. Der Grund: Unsere Lebenserwartung steigt, die Zahl der Geburten sinkt. Bereits heute weiß man: In 40 Jahren wird es hierzulande 15 Millionen weniger Menschen geben. Was wir hingegen nicht wissen, sind die Folgen. Zuvorderst die Renten: Wer wird die Beiträge einzahlen? Das Gesundheitswesen: Was kostet Behandlung und Pflege des hohen Anteils alter Menschen? Und schließlich die Wirtschaft: Wer konsumiert, wer baut Häuser, kauft Aktien, gründet Firmen? Bevölkerungsexpertin Roloff hat Statistiken ausgewertet und Szenarien entworfen. Bereits jetzt wird deutlich: Jugendkult kann sich unsere Gesellschaft nicht mehr leisten, eine Rente mit 60 schon gar nicht!
Zu beziehen ist das Buch unter anderem hier.
Die demografische Lage der Nation. Wie zukunftsfähig sind Deutschlands Regionen? Daten, Fakten, Analysen von Stefan Kröhnert, Franziska Medicus, Reiner Klingholz, Steffen Kröhnert
Kurzbeschreibung: Auf der Basis aktueller Zahlen und nach insgesamt 22 Indikatoren wie z.B. Kinderzahlen, Altersverteilung, Wanderungsbewegungen, Freizeitwert, Ausbildungsstand, Industriestatus usw. werden bundesweit die demografischen Entwicklungen dokumentiert und bewertet. Das Werk ist nach Bundesländern, Kreisen und kreisfreien Städten gegliedert, sodass die einzelnen Regionen und Standorte leicht abgefragt werden können.
Die demografischen Methoden werden erklärt, die einzelnen Ergebnisse werden erläutert, statistische Phänomene und Besonderheiten werden interpretiert und Hinweise für Kommunen, Länder und Behörden gegeben. Die Wirkung der Faktoren des demografischen Wandels wird dargestellt. So entsteht ein aussagekräftiges und vielfach nutzbares Bild von der demografischen Lage der Nation und ihren Folgen.

