Eucken, Walter
Walter Eucken (1981 - 1950) gilt als Mitbegründer der Freiburger Schule und des Ordoliberalismus in Deutschland. Mit seinen Arbeiten zu den Funktionsbedingungen einer freien Wirtschaft trug er zur Fundierung der sozialen Marktwirtschaft wesentlich bei.
Eucken wuchs in gehobenen bildungsbürgerlichen Verhältnissen auf. Er studierte im Hauptfach Nationalökonomie in Bonn und Kiel, lehrte Nationalökonomie in Berlin, Tübingen und Freiburg, wo er bis zu seinem Tode tätig war. Er habilitierte sich 1921 über das Thema " Die Stickstoffversorgung der Welt" in Berlin. Eucken gilt (neben Franz Böhm und Hans Großmann-Doerth) als Mitbegründer der "Freiburger Schule" in Freiburg. Danach besteht die Wirtschaftsordnung nicht unabhängig von der Gesellschafts-, Staats- und Rechtsordnung: Eine Marktwirtschaft bedarf einer freiheitlichen Rechtsordnung. Nach Eucken soll sich die staatliche Wirtschaftspolitik nicht an Interessen orientieren, sondern sich auf eine Gestaltung der Wirtschaftsordnung beschränken und in erster Linie den Wettbewerb schützen und stärken sowie nicht in Wirtschaftsprozesse eingreifen. Es ging ihm darum eine Wirtschaftsordnung zubegründen, in der möglichst niemand die Macht hat, einen anderen ökonomisch zu lenken (vollständiger Wettbewerb). Damit stand Eucken in krassem Gegensatz zum erstarkenden Nationalsozialismus in den dreißiger Jahren. Erst nach der NS-Zeit (nach 1945) trafen seine wirtschaftspolitischen Gedanken auf mehr Aufmerksamkeit, da man nach neuen wirtschaftpolitischen Konzepten zum Wiederaufbau suchte.
Eucken pflegte nicht nur einen Gedankenaustausch mit den Ökonomen seiner Zeit, sondern auch mit Künstlern, Komponisten und Naturwissenschaftlern und Philosophen. Wissenschaftstheoretisch wurde er besonders vom Philosophen und Naturwissenschaftler Edmund Husserl (1859 - 1938) beeinflusst. Eucken verstarb auf einer Vortragsreise an die London School of Economics am 20. März 1950 in London. Postum wurde 1952 sein Werk "Grundsätze der Wirtschaftspolitik" veröffentlicht; es zählt neben seinem Werk "Die Grundlagen der Nationalökonomie" (1939) zu den Klassikern der Wirtschaftswissenschaft. (Me)
Weiterführende Informationen:
Freiheit und wettbewerbliche Ordnung. Gedenkband zur Erinnerung an Walter Eucken,
von Bernhard Külp, Viktor Vanberg
Kurzbeschreibung: In diesem Gedenkband zum 50. Todestag von Walter Eucken befassen sich verschiedene Autoren, die in der Tradition der Freiburger Schule und ihrer Weiterentwicklung stehen, mit seinem Werk.
Aus dem Inhalt: Gerold Blümle und Nils Goldschmidt: Zur Normativität ordoliberalen Denkens; Werner Zohlnhöfer: Ordoliberalismus und Soziale Marktwirtschaft aus evolutorischer Sicht; François Bilger: Ideen und Interessen in der Entwicklung der europäischen Wirtschaftsordnung; Bernhard Külp: Walter Eucken und die soziale Frage Manfred Löwisch: Das Arbeitnehmer-Entsendegesetz - ein ordnungspolitischer und rechtlicher Irrweg; Eckhard Knappe und Hans-Joachim Jobelius: Ordnungspolitische Reform des deutschen Gesundheitswesens: Integration in den europäischen Markt; Norbert Berthold: Das Ende rentenpolitischer Illusionen - was nun?; Christian Watrin: Staatsaufgaben: Die Sicht Walter Euckens und Friedrich A. von Hayeks; Erich W. Streissler: Eucken und die wirtschaftliche Lenkungsfunktion freier Finanzmärkte; Günter Knieps: Wettbewerb in Netzen; Manfred E. Streit und Michael Wohlgemuth: Walter Eucken und Friedrich A. von Hayek: Initiatoren der Ordnungsökonomik; Franz Schober: Organisationales Wissen und Informationstechnik; Alan Peacock: Some Economics of ‘Competitive’ Civil Justice; Thomas P. Gehrig: Zur Politischen Ökonomie des Technischen Fortschritts; Viktor Vanberg: Ordnungsökonomik und Ethik - Zur Interessenbegründung von Moral.
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