Frauenerwerbstätigkeit
Von den etwa 27,5 Millionen Frauen im Alter von 15 bis 65 Jahren in Deutschland sind knapp zwei Drittel erwerbstätig: Die Frauenerwerbsquote lag 1999 bei 65 Prozent. Sie ist seit 1970 (46 Prozent) kontinuierlich gestiegen. Im internationalen Vergleich nimmt Deutschland damit einen guten Mittelfeldplatz ein.
Auch der Frauenanteil an der Gesamtzahl der Beschäftigten ist weiter auf 43 Prozent gestiegen. Dazu trägt auch die rasche Zunahme der Teilzeitarbeit bei: Die Teilzeitquote ist allein in den 90er Jahren von 14 auf knapp 20 Prozent gestiegen; rechnet man die geringfügige Beschäftigung dazu, sogar auf 25 Prozent. Frauen führen rund 85 Prozent aller Teilzeitarbeiten in Deutschland durch. Knapp 85 Prozent aller erwerbstätigen Frauen arbeiten in Dienstleistungsberufen, bei Männern sind es weniger als 50 Prozent.
Beschäftigungsschwerpunkte der Frauen sind die Berufe im Büro, im Gesundheitsdienst und im Verkauf. Zwei Drittel aller erwerbstätigen Frauen arbeiten in den zehn wichtigsten Berufsgruppen. Da der wirtschaftliche Strukturwandel diese Berufe bislang eher begünstigt hat, profitierten die Frauen überdurchschnittlich von der Beschäftigungszunahme. Das schlägt sich auch in der Arbeitslosenstatistik nieder: In Westdeutschland ist die Arbeitslosigkeit unter den Frauen nicht mehr höher als unter den Männern.
Den Frauen kommt dabei eine stete Verbesserung ihrer Qualifikationen zugute. So begannen zum Wintersemester 1996/97 erstmals mehr Frauen als Männer ein Studium. Der Anteil der Frauen an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Hochschulabschluss stieg in Westdeutschland zwischen 1985 und 1999 um ein Drittel auf gut 30 Prozent. Der Abstand bei den Akademikerquoten hat sich gegenüber den Männern auf weniger als zwei Prozentpunkte verringert. Die Zahl der erwerbstätigen Akademikerinnen ist gerade in einigen "typisch männlichen" Fachrichtungen wie Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften überproportional gestiegen.
Das schlägt sich inzwischen auch beim Einkommen nieder: Frauen im gleichen Alter und mit vergleichbarer Qualifikation und Betriebszugehörigkeit verdienen fast ebenso viel wie ihre männlichen Kollegen. Dagegen gibt es durch die Familienpause aber noch immer Probleme für Frauen in Führungspositionen. (Kl)
Weiterführende Informationen:
"Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Benchmarking Deutschland aktuell" von Eric Thode, Werner Eichhorst
Kurzbeschreibung: Bei der Erwerbsbeteiligung von Frauen liegt Deutschland im internationalen Vergleich weit zurück – aber nicht, weil Frauen hierzulande nicht arbeiten gehen wollen. Im Gegenteil: Gerade junge Eltern wünschen sich Berufstätigkeit für die Mutter, vom Teilzeit-Job bis zur vollen Stelle. Die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen sind dafür aber bislang wenig günstig.
Das vorliegende Buch fragt: Was muss sich ändern, damit Frauen berufliche Entwicklung und Kindererziehung miteinander in Einklang bringen können? Die Autoren beleuchten familienpolitische Instrumente, sozial- und arbeitsmarktpolitische Regelungen und die Möglichkeiten, die Krippen, Kindergärten und Schulen für die Kinderbetreuung bieten. Das Buch bezieht dabei Beispiele aus dem Ausland ein, die wichtige Denkanstöße für die deutsche Debatte zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf geben können.
Eine Verbesserung des Status quo ist nicht nur wegen der Chancengleichheit für Frauen geboten: Nur wenn ihr Arbeitskräftepotenzial mobilisiert wird, wird es gelingen, die Engpässe auf dem Arbeitsmarkt zu begrenzen, die der demographische Wandel mit sich bringt. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird so zu einer zentralen Aufgabe der Beschäftigungspolitik.
Zu beziehen unter anderem hier
Familienpolitik - Schlechtes Zeugnis, Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), iwd Mai 2007
Über kaum etwas wurde in Deutschland in den vergangenen Monaten so leidenschaftlich gestritten wie über die Familienförderung. Nicht immer werden dabei objektive Argumente ausgetauscht. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat daher untersucht, an welcher Stelle die Familienpolitik tatsächlich versagt.*)
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