Freiheit
Das Prinzip der Freiheit spielt vor allem im politischen Programm des Liberalismus eine herausragende Rolle. In Europa entwickelte sich der Liberalismus (liber = frei, liberalis = die Freiheitbetreffend) als bürgerliche Gegenbewegung zum Absolutismus durch die Bildung des demokratisch legitimierten Verfassungsstaates. Im liberalen Denken ist deshalb auch die Trennung zwischen Staat und Gesellschaft verankert: Aufgabe des Staates soll nicht nur die rechtliche Absicherung der individuellen Freiheit sein, sondern auch die Gewährung einer Rahmenordnung, die es den Individuen gestattet, selbständig im Rahmen "spontaner Ordnungen" (Friedrich A. von Hayek) nach Wegen zu Wohlstand und Glück zu suchen.
Als individuelle Freiheitsrechte gelten etwa die Willens- und Handlungsfreiheit, die Meinungsfreiheit, die Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit, die Gewissens- und Religionsfreiheit oder auch die Berufsfreiheit. Die Dimensionen der Freiheit sind plural: Sie betreffen das Individuum ebenso wie das Soziale, das Kulturelle, das Ökonomische (Marktwirtschaft) wie auch das Politische (Demokratie). Als universelles Recht ging das Prinzip der Freiheit nach 1945 ebenso in die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" der Vereinten Nationen von 1948 wie auch 1949 in das Grundgesetz Deutschlands ein.
Die wesentliche Grundlage des Freiheitsprinzips ist die Überzeugung der Aufklärung des 18. Jahrhunderts, dass jeder Mensch frei geboren, mit gleichen Rechten ausgestattet und vernunftbegabt ist. Eine unabdingbare Voraussetzung der Freiheit ist das Vorhandensein von persönlichem Eigentum. Davon unberührt bleibt zunächst die Art der Verteilung des Eigentums, auch wenn die konkrete Eigentumsverteilung in einer Gesellschaft häufig Gegenstand von Kritik und Diskussionen ist.
Freiheit impliziert die Toleranz gegenüber dem Verschiedenartigen und bedeutet daher auch vorurteilsfreie Offenheit nicht nur gegenüber anderen Kulturen, sondern auch gegenüber der künftigen Gesellschaftsentwicklung (offene Gesellschaft). Das normatives Grundanliegen des Freiheitsprinzips ist die möglichst große Unabhängigkeit des Einzelnen vom Staat und die Ermöglichung seiner geistig-sittlichen Entfaltung, um in Eigenverantwortung und auch in Verantwortung gegenüber der Umwelt sein Recht auf "Selbsteigentum" (John Locke) zu wahren. Die Grenzen persönlicher Freiheit werden dort gesehen, wo die Freiheiten anderer verletzt werden.
Das individuelle Recht auf Freiheit gab es in der Zeit des Absolutismus nicht für jedermann; auch heute noch fehlt es in manchen Ländern der Welt. Ein genereller globaler Konsens über diese Orientierungsnorm steht mit hin noch aus.
Mitunter müssen zum Schutz der Freiheit und des Wohls des Ganzen individuelle Freiheiten eingeschränkt werden. Hierin liegt ein permanentes gesellschaftspolitisches und auch demokratisch-rechtsstaatliches Spannungsverhältnis.
Dank der Umsetzung des Prinzips der Freiheit im ökonomischen Bereich (Wettbewerb) hat sich der Wohlstand der Menschen in vielen Ländern der Erde ständig erhöht. Die so genannte Globalisierung der Wirtschaft ist ein neuerlicher Ausdruck dieser Freiheitsnorm: Immer mehr Handelsschranken sind gefallen, der internationale Wettbewerb hat zugenommen. Die Auflösung des ehemaligen "Ostblocks" und die Hinwendung zu Marktwirtschaft und Demokratie machen deutlich, welche Anziehungskraft nach wie vor vom liberalen Denken ausgeht.
Im subjektiven Empfinden der Menschen in Deutschland ist das Freiheitsgefühl deutlich verankert: Zwei Drittel der Menschen (62,8 Prozent) empfanden zu Beginn des Jahres 2001 in Deutschland für sich ein subjektives Gefühl großer bis sehr großer Freiheit. Knapp 30 Prozent äußerten ein mittleres Freiheitsgefühl und nur 7 Prozent mindestens eingeringes Gefühl persönlicher Freiheit. In der gleichen Untersuchung stellte sich heraus, dass ein großer subjektiver Freiheitsgrad auch mit großem freiwilligen sozialen Engagement für die Gesellschaft verbunden ist - viel persönliche Freiheit und soziale Mitverantwortung schließen sich mithin nicht aus. (Me)
Weiterführende Informationen:
Die Idee der Freiheit, von Gerhard Schwarz, Gerd Habermann, Claudia Aebersold Szalay, Claudia Aebersold Szalay
Kurzbeschreibung: Welche Bücher soll man lesen, wenn man sich für die Idee der Freiheit interessiert? Welchen Beitrag zu ihrer Formulierung und Vertiefung haben etwa Denker wie Aristoteles, Konfuzius, Mises, Ortega y Gasset, Röpke oder Schumpeter geleistet? Die Bibliothek der Freiheit präsentiert von Lord Acton bis Mary Wollstonecraft 111 Werke von rund 100 Autoren und stellt sie in den Zusammenhang von freiheitlicher Ordnung und Marktwirtschaft. Ergänzt wird die Besprechung der Werke durch einige Originalzitate. Die Auswahl erhebt nicht den Anspruch, alle entscheidenden Klassiker der Freiheit aufzulisten; sie erfolgte zwar wohlüberlegt und ernsthaft, hat aber auch eine gelegentlich spielerische Seite. So sehr die Texte für sich allein eine interessante Lektüre darstellen, sollen sie vor allem Lust darauf machen, sich in die einzelnen Werke weiter zu vertiefen. Die Vorstellung der Bücher erfolgt durch Professoren und Publizisten, die sich seit langem mit der Idee der Freiheit befassen. Stöbern Sie in der Bibliothek der liberalen Denker.
Zu beziehen ist dieses Buch unter anderem hier.
"Freiheit und wettbewerbliche Ordnung. Gedenkband zur Erinnerung an Walter Eucken" von Bernhard Külp, Viktor Vanberg
Kurzbeschreibung: In diesem Gedenkband zum 50. Todestag von Walter Eucken befassen sich verschiedene Autoren, die in der Tradition der Freiburger Schule und ihrer Weiterentwicklung stehen, mit seinem Werk.
Aus dem Inhalt: Gerold Blümle und Nils Goldschmidt: Zur Normativität ordoliberalen Denkens; Werner Zohlnhöfer: Ordoliberalismus und Soziale Marktwirtschaft aus evolutorischer Sicht; François Bilger: Ideen und Interessen in der Entwicklung der europäischen Wirtschaftsordnung; Bernhard Külp: Walter Eucken und die soziale Frage Manfred Löwisch: Das Arbeitnehmer-Entsendegesetz - ein ordnungspolitischer und rechtlicher Irrweg; Eckhard Knappe und Hans-Joachim Jobelius: Ordnungspolitische Reform des deutschen Gesundheitswesens: Integration in den europäischen Markt; Norbert Berthold: Das Ende rentenpolitischer Illusionen - was nun?; Christian Watrin: Staatsaufgaben: Die Sicht Walter Euckens und Friedrich A. von Hayeks; Erich W. Streissler: Eucken und die wirtschaftliche Lenkungsfunktion freier Finanzmärkte; Günter Knieps: Wettbewerb in Netzen; Manfred E. Streit und Michael Wohlgemuth: Walter Eucken und Friedrich A. von Hayek: Initiatoren der Ordnungsökonomik; Franz Schober: Organisationales Wissen und Informationstechnik; Alan Peacock: Some Economics of ‘Competitive’ Civil Justice; Thomas P. Gehrig: Zur Politischen Ökonomie des Technischen Fortschritts; Viktor Vanberg: Ordnungsökonomik und Ethik - Zur Interessenbegründung von Moral.
Zu beziehen ist dieses Buch unter anderem hier.
Gesammelte Schriften: Die Verfassung der Freiheit: Bd 3, von Friedrich A. von Hayek, Alfred Bosch, Manfred E. Streit, Viktor Vanberg, Reinhold Veit
Kurzbeschreibung: Der große Universalgelehrte europäischer Tradition, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften von 1974, hat in seinem Lebenswerk, das auf einer tiefen Kenntnis vieler Disziplinen (Ökonomie, Rechtswissenschaft, Geschichte, Biologie und Psychologie) beruht, mit Beharrlichkeit den Gedanken verfolgt, dass allein individuelle Freiheit die Bewahrung und Fortentwicklung der Zivilisation sicherstellen kann.
Zu beziehen ist dieses Buch unter anderem hier.

