Generationengerechtigkeit

Der Begriff -Generationengerechtigkeit- beschreibt die Gerechtigkeit der Verteilung von materiellen Ressourcen, Lebenschancen und -qualität unter den Generationen. Anders ausgedrückt umschreibt der Begriff die Forderung, dass jede Generation so verantwortungsvoll leben soll, dass sie nachfolgenden Generationen keine unzumutbaren Lasten, z.B. in Form von Schulden oder Umweltschäden, aufbürdet.

Bezogen auf die Staats- und Sozialversicherungshaushalte definiert der Sachverständigenrat im Jahresgutachten 2003/2004 (Tz 454): "Nachhaltig oder tragfähig ist die Finanzpolitik [einschließlich Sozialversicherung, d.Red.] dann, wenn keine Tragfähigkeitslücke existiert, ihr Wert also null ist." An gleicher Stelle konstatieren die Sachverständigen eine Lücke in Höhe von 330 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Seit geraumer Zeit spielt der Begriff bei der Diskussion um die Reform der Sozialversicherungssysteme in Deutschland eine zentrale Rolle. Solidarprinzip und Generationenvertrag, die als Basis unserer Sozialversicherungssysteme die Generationengerechtigkeit auf diesem Gebiet gewährleisten sollen, werden auf Grund ungünstiger demografischer Entwicklungen, steigender Kosten, zunehmender Arbeitslosigkeit usw. zunehmend unerfüllbar. Das heißt, dass die heutigen Beitragszahler trotz permanent steigender Einzahlungen perspektivisch mit immer weniger Leistungen aus der gesetzlichen Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung rechnen können.

Zahlreiche Experten raten daher dringend zu grundlegenden strukturellen Reformen der Sozialversicherungssysteme. Ihrer Ansicht nach ist Generationengerechtigkeit auf diesem Gebiet in Zukunft nur mit mehr Wettbewerb sowie mehr Eigenverantwortung und mehr Kostenbeteiligung der Versicherten zu gewährleisten.

 

Weiterführende Informationen:

"Jung gegen Alt - Wie der Generationenvertrag trotzdem hält" von Jochen Pimpertz

Kurzbeschreibung: Das Methusalem-Komplott – alles schwingt mit: Verrat, Hinterhalt und Angst. Diagnose: Deutschland vergreist in kaum vorstellbarem Ausmaß. Vieles wird sich damit ändern. Das soziale Netz der Bundesrepublik steht in den kommenden Jahren vor seiner größten Belastungsprobe. Während die Alten um erworbene Ansprüche und um ihr Auskommen generell fürchten, sehen sich die Jungen in die Zange genommen. Sie sollen die Generation ihrer Eltern durchfüttern, wenn diese nicht mehr arbeiten, und wissen dabei selbst nicht, wie sie im Alter einmal über die Runden kommen werden. Das klingt dramatisch, ist aber kein unausweichliches Schicksal. Und zum häufig beschworenen Generationenkrieg muss es auch nicht gleich kommen. Die Systeme der sozialen Sicherung lassen sich nämlich an die Gegebenheiten und Erfordernisse der Zukunft anpassen. Wie, das ist in der Broschüre nachzulesen: Was zu tun ist, damit der Generationenvertrag trotzdem hält.

Zu beziehen unter anderem hier

 
Interview mit dem Demografie-Forscher Professor Axel Börsch-Supan:  

Beleuchtet werden Fragen wie:

1. Demografischer Wandel: Immer weniger Junge kommen für immer mehr Alte auf. Gibt es Auswege aus diesem Dilemma?
2. Länger arbeiten, weniger Geld im Ruhestand? Ist die Gesetzliche Rente damit wieder sicher. Und: Sind die Kürzungen sozial gerecht?
3. Private Vorsorge: Staat versus Markt oder: Staat und Markt?
4. Aktuelle Maßnahmen zur Rentenanpassung

Das ganze Interview lesen Sie hier.