Internationale Finanzmärkte

Grafik: Globaler Kapitalmarkt und Internationale Finanztransaktionen Unter internationalen Finanzmärkten versteht man die Gesamtheit finanzieller Transaktionen an ausländischen Finanzplätzen und/oder in ausländischer Währung. Dabei kann es sich beispielsweise um einen Markt handeln, auf dem Aktien, Anleihen, Derivate, Bankkredite, Hypotheken, Devisen gehandelt werden. Weltweit wird der Kapitalbestand für das Jahr 2004 auf 119.000 Milliarden US-Dollar geschätzt. Das ist rund das Dreifache der weltweiten jährlichen Wirtschaftsleistung (Grafik 1). Im Jahr 1980 lag diese Quote noch bei rund 100 Prozent.

Auch grenzüberschreitende internationale Finanztransaktionen haben sich in der jüngeren Vergangenheit sehr dynamisch entwickelt (Globalisierung). Unter starken Schwankungen sind die privaten Kapitalströme seit 1985 auf das knapp 16-Fache gestiegen. (s. Grafik 2)

Finanzmärkte haben aufgrund der Vielzahl von Anbietern und Nachfragern, die gleichartige Dinge handeln, grundsätzlich ideale Markteigenschaften. Sie lenken den Produktionsfaktor Kapital -auch auf internationaler Ebene - in die produktivste Verwendung, so dass er einen höheren Wohlstandsbeitrag liefert, als wenn er weiterhin an die nationalen Grenzen gebunden wäre. Günstige Investitionsmöglichkeiten bieten sich vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern, wo Kapital knapper ist und somit in der Regel eine höhere Rendite bietet als in den Industriestaaten. Mit dem Kapital, wenn es in Form von längerfristig angelegten Unternehmensinvestitionen im Ausland (Direktinvestitionen) angelegt wird, werden zumeist auch neue Technologien und fortgeschrittenes Know-how transferiert. Von einem Abbau der Kapitalverkehrsbeschränkungen ( Protektionismus) im Zuge der Globalisierung profitieren damit gerade auch die weniger entwickelten Staaten.

Gleichwohl ist es in der Vergangenheit immer wieder zu Krisen auf den internationalen Finanzmärkten gekommen, zuletzt in Mexiko, Südostasien, Russland und Brasilien. Wenngleich sich im Weltfinanzsystem einige Schwachstellen gezeigt haben, so waren die wichtigsten Ursachen für die Turbulenzen doch regelmäßig hausgemacht - in Südostasien spielten etwa Vetternwirtschaft, eine laxe Bankenaufsicht und die nicht sinnvolle Wechselkursbindung an den US-Dollar eine Rolle (Wechselkurs). Reformen im Weltfinanzsystem sind auf dem Weg, vor allem der Internationale Währungsfonds (IWF), der eigentlich für die Stabilität auf den Finanzmärkten sorgen soll, ist damit befasst. Es geht dabei beispielsweise um eine größere Transparenz über die wirtschaftlichen Verhältnisse in Entwicklungs- und Schwellenländern, eine strengere Bankenaufsicht, ein besseres Verständnis der Funktionsweise globaler Kapitalmärkte und um einen besseren Informationsaustausch zwischen den Finanzmarktaufsehern und -akteuren. Vor übereilten Forderungen nach einer breit angelegten Wiedereinführung von Kapitalverkehrsbeschränkungen muss daher gewarnt werden. (Ma)


Weiterführende Informationen:

Chance für den Standort Deutschland: Der deutsche Real Estate Investment Trust (REIT), Institut der deutschen Wirtschaft Köln (Hrsg.)

Kurzbeschreibung: Die Zulassung von Real Estate Investment Trusts (REITs) würde den Finanzstandort Deutschland beleben. So verzeichnet Frankreich, wo diese Trusts bereits 2003 zugelassen wurden, einen Boom am Immobilienmarkt. In Großbritannien sollen REITs zwar wie in Deutschland 2007 eingeführt werden. Dennoch gibt es dort längst viele große börsennotierte Aktiengesellschaften, die sich auf das Immobiliengeschäft konzentrieren. Einige Bestimmungen des 2006 geplanten REIT-Gesetzes lassen auch in Deutschland eine positive Entwicklung des Marktes erwarten, andere sind eher kritisch zu sehen. Der Band aus der Reihe der IW-Symposien dokumentiert die wissenschaftliche Tagung zum Thema REITs vom 20. September 2006 in Berlin.

Zu beziehen unter anderem hier.

 

Finanzmarktstrukturen im Wandel, von Manfred Jäger

Kurzbeschreibung: Das deutsche Finanzsystem befindet sich im Wandel. Die Banken als traditionelle Finanzierungspartner der Unternehmen verschieben Forderungen und Risiken auf den Markt, indem sie Kredite verbriefen oder Kreditderivate einsetzen. Private-Equity-Gesellschaften bringen sich dann auch strategisch in das Unternehmen ein und können dazu beitragen, die Refokussierung und Restrukturierung voranzubringen. Diese Entwicklungen im deutschen Finanzsystem müssen vor dem Hintergrund der großen Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft gesehen werden: Die aktuellen Trends stellen hier eine Entwicklung in Richtung eines vollständigeren Finanzierungssystems dar. Lösungen, die beziehungsbasierte Information, Risikotransfer und Marktfähigkeit verbinden, sind für Deutschland nützlich, da sie die Tradition der Banken als Partner der Industrie mit moderner Marktfähigkeit der Finanzierung kombinieren.

Zu beziehen ist dieses Buch unter anderem hier.


Industrie und Finanzwirtschaft - Partner im Strukturwandel?, Institut der deutschen Wirtschaft Köln (Hrsg.)

Kurzbeschreibung: Wenn deutsche Unternehmen auf den Weltmärkten erfolgreich sein wollen, müssen sie jetzt verstärkt auf Forschungs- und Entwicklungsstrategien setzen. Das geht vielfach nicht ohne die Bereitstellung von fremdem Risikokapital. Das wissenschaftliche Symposium des IW ging der Frage nach, ob die Finanzwirtschaft diese Leistung in ausreichendem Maße erbringen kann und analysiert die durch den realwirtschaftlichen Strukturwandel vorgegebenen Bedingungen der Unternehmensfinanzierung. Ergibt sich ein Konflikt mit dem Strukturwandel in der Finanzwirtschaft, werden die Erfolge in der Realwirtschaft durch die Strukturbedingungen der Finanzwirtschaft nicht angemessen begleitet?

Zu beziehen ist dieses Buch unter anderem hier.