Kondratieff, Nikolai D.

Der russische Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Dmitrijewitsch Kondratieff (1892 bis 1938) wird als Begründer der "Theorie der langen Wellen" betrachtet. Er gründete 1920 das Moskauer Konjunkturinstitut, dessen Leitung er bis zu dessen Schließung 1928 inne hatte. Die langen Konjunkturzyklen (insgesamt 2 ½), die der Wissenschaftler über einen Beobachtungszeitraum von 140 Jahren feststellte, haben jeweils eine Dauer von rund 40 bis 60 Jahren. Zu der Annahme über die Existenz solcher langen Wellen gelangte er bereits in den Jahren 1919/21. Er überprüfte sie dann anhand verschiedener Indizes (Preise, Zinsen, Löhne, Produktion, Außenhandel) in westlichen Ländern.

Im Verlauf solcher langen Rhythmen der Konjunktur beobachtete Kondratieff vier verschiedene Ereignisse [Änderungen in der Technik, Kriege und Revolutionen, das Eintreten neuer Länder in die Weltwirtschaft (also neue Märkte) sowie die Entdeckung neuer Goldvorräte (und damit der Goldgewinnung durch neue Techniken)]. Nach einigen vorangegangenen Veröffentlichungen zu seiner These publizierte er sie 1926 auch in einem Aufsatz ("Die langen Wellen der Konjunktur") im Berliner Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik (Jg. 56, H. 3, Seite 573 bis 609). Später (1939) griff Joseph A. Schumpeter die These der langen Wellen auf, nannte sie "Kondratieffzyklen", verknüpfte sie mit grundlegenden technischen Innovationen (Basisinnovationen) und hob die entscheidende Rolle des Unternehmers wie auch seiner Kreditaufnahme hervor. Seither gelten solche technischen Neuerungen, deren Entwicklung wie Anwendung als wichtige Träger der sozioökonomischen Entwicklung.

Eigentlich sollte Kondratieff mit seinen Forschungen die marxistische Theorie vom Untergang des marktwirtschaftlichen Kapitalismus belegen, doch er stellte fest, dass innere Kräfte der Marktwirtschaft dazu führen, dass es immer wieder zu einem neuen wirtschaftlichen Aufschwung kommt. "Indem wir das Vorhandensein langer Wellen behaupten und ihre Entstehung aus zufälligen Ursachen bestreiten, meinen wir zugleich, dass die langen Wellen Ursachen entspringen, die im Wesen der kapitalistischen Wirtschaft liegen." Seine Kritik an der Planwirtschaft sowie an der Kollektivierung der sowjetischen Landwirtschaft kostete ihn 1938 sein Leben. (Me)

 

Weiterführende Informationen:

Der sechste Kondratieff, von Leo A. Nefiodow

Kurzbeschreibung: Leo A. Nefiodow ist Autor von zahlreichen Publikationen zur Informationsgesellschaft. Das vorliegende Buch ist eine Antwort auf die Ratlosigkeit unserer Tage im Umgang mit den übergreifenden Problemen der Zeit: hohe Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung, niedriges Wirtschaftwachstum, unzureichende Produktivität im Informationssektor, ausufernde Staatsverschuldung, wachsende Kriminalität, weit verbreitete Perspektivlosigkeit. Der Autor zeigt die strukturellen Barrieren auf, die eine Lösung bisher verhindert haben und geht ausführlich auf die Frage ein, wie diese Probleme durch eine informationsorientierte gesamtgesellschaftliche Reorganisation bewältigt werden können.

Zu beziehen ist dieses Buch unter anderem hier.

 

Gezeiten des Wandels. Die Kondratieffzyklen und die Veränderung von Bildung und Beschäftigung, von Ralf Hagemeister

Kurzbeschreibung: Gezeiten des Wandels: Die Kondratieffzyklen, die in Intervallen von 45-60 Jahren seit 1780 vier mal aufgetreten sind bilden das Gerüst dieses Buches. So ist langfristiger fundamentaler wirtschaftlicher Wandel durch regelmäßige Auf- und Abschwungbewegungen geprägt. Der Anstieg jeder Welle wird ausgelöst durch Basisinnovationen, die das gesellschaftliche und ökonomische Gefüge durchdringen. Im gegenwärtigen 5. Kondratieff, ist dies die in der Erfindung der Mikroelektronik begründete Informations- und Kommunikationstechnologie. Hier wird der Fokus auf Bildung und Beschäftigung gerichtet. Welche Veränderungen lassen sich seit 1780 aufgrund von Basisinnovationen auffinden? Wie haben sich im 5. Kondratieff Qualifikations- und Tätigkeitsstruktur der Erwerbstätigen entwickelt? Die Funktion von Schule, die Planbarkeit von Bildungsinvestitionen und die duale Berufsausbildung, stellen wesentliche Elemente dar. Schule trägt gegenwärtig zum Bewahren gesellschaftlicher Strukturen bei. Die Systemmängel dualer Berufsausbildung, lassen Zweifel an der Funktion als Ausbildungsinstrument für junge Erwachsene aufkommen. Ein hohes gesellschaftliches Qualifikations- und Bildungsniveau, ist eine wesentliche Voraussetzung für die Bewältigung kontinuierlichen Wandels.

Zu beziehen ist dieses Buch unter anderem hier.