Lohnstruktur

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Arbeitslosigkeit gibt es wiederholt Vorschläge zu einer stärkeren Differenzierung der Löhne. Es wird argumentiert, dass die Lohnspreizung zu gering und die Lohnstruktur nicht marktgerecht differenziert seien. Da der Lohn als Preis für den Produktionsfaktor Arbeit die Knappheitsverhältnisse auf den einzelnen Teilarbeitsmärkten nicht angemessen wiederspiegle, würden Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt nicht genügend ausgeglichen. Die Folge sei, dass die auf dem Arbeitsmarkt angebotenen und nachgefragten Fähigkeiten vielfach nicht übereinstimmten (Mismatch-Arbeitslosigkeit).

Das Lohngefüge lässt sich unter drei Gesichtspunkten strukturieren:

Nach Qualifikationen: Dabei geht es um eine den qualifikatorischen Anforderungen eines Arbeitsplatzes angemessene Bezahlung. Nach Sektoren: Dabei geht es um eine Differenzierung der Löhne, die dem von Branche zu Branche unterschiedlich ausgeprägten Strukturanpassungsdruck und Arbeitskräftebedarf gerecht wird. Nach der neoklassischen Theorie sollten Arbeitnehmer mit gleicher Qualifikation in jeder Branche denselben Lohn erhalten, wenn keine Mobilitätskosten oder branchenspezifischen Fertigkeiten eine gewichtige Rolle spielen. Entsprechend zeigen empirische Untersuchungen, dass die Streuung der Löhne um den Branchendurchschnitt für die relativ homogene und mobile Gruppe der männlichen Angestellten am kleinsten und für die eher heterogene und immobile Gruppe der weiblichen Arbeiter am größten ist. Nach Regionen: Auch regional ist der Arbeitskräftebedarf unterschiedlich hoch. Als Indikator können die großen Unterschiede der regionalen Arbeitslosenquoten dienen. Regionale Lohnunterschiede fördern die Mobilität von Arbeit und Kapital und unterstützen den regionalen Strukturwandel.Die Tarifpartner entscheiden nur über die Tariflöhne (= Mindestlöhne) und damit auch nur über die tarifliche Lohndifferenzierung. Die effektiven Verdienste, also die tatsächlich gezahlten Löhne unter Berücksichtigung der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit, der Überstundenzuschläge, des Weihnachts- und Urlaubsgeldes etc., können eine ganz andere Differenzierung als die tariflichen Löhne aufweisen. (Lh)


Weiterführende Informationen:

Lohnpolitik - manchmal ist weniger mehr, Institut der deutschen Wirtschaft, iwd März 2007

Im vergangenen Jahr wuchs die deutsche Wirtschaft mit 2,7 Prozent so kräftig wie schon lange nicht mehr und die Konjunkturprognosen sind weiterhin optimistisch. Nun wollen die Gewerkschaften die Gunst der Stunde nutzen – sie fordern bis zu 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Völlig aus dem Blick geraten scheint dabei, dass hierzulande immer noch über 4 Millionen Menschen Arbeit suchen. Dabei sprechen die Erfolge der Lohnmäßigung in den vergangenen zehn Jahren für sich: Diese Strategie sicherte Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zufolge mehr als 600.000 Jobs.*)

(...) Die einfachste Empfehlung dazu gab der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung bereits in den sechziger Jahren ab: Die Löhne sollen etwa in dem Maß erhöht werden, in dem die Produktivität gestiegen ist – darunter versteht man die Menge dessen, was Arbeitskräfte je Stunde herstellen. Diese Regel gilt auch in Zeiten des Konjunkturaufschwungs. Denn wenn Löhne und Arbeitsleistung im Gleichschritt wachsen, bleiben die Lohnstückkosten der Unternehmen konstant. Die Firmen müssen dann weder ihre Preise an veränderte Kosten anpassen, noch Personal abbauen, um Kosten zu sparen. (...)


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