Lohnstückkosten

Grafik: Lohnstückkosten international 2004 Die Lohnstückkosten ("Lohnkosten pro Stück") bezeichnen den Anteil der Arbeitskosten, die auf eine Produkteinheit entfallen ("Wie viel Lohnkosten stecken in einem Auto?"). Sie sind ein Maßstab für die Kosten-Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Man errechnet die durchschnittlichen Lohnstückkosten für eine Volkswirtschaft, indem man die Arbeitskosten je Arbeitnehmer ins Verhältnis setzt zu der erbrachten Wirtschaftsleistung je Erwerbstätigen (Produktivität).

Die Lohnstückkosten sind dann besonders niedrig, wenn sich niedrige Arbeitskosten mit einer hohen Produktivität kombinieren lassen. Das ist oft bei Direktinvestitionen in Niedriglohnländer möglich. Denn bei einer Produktionsverlagerung ins Ausland wandern auch der heimische technische Standard und das Know-how mit.

Im Ländervergleich werden indes zumeist nennenswerte Unterschiede bei den Arbeitskosten durch ähnlich große Unterschiede bei den Produktivitätsniveaus ausgeglichen: Länder mit hohen Arbeitskosten arbeiten auch hochproduktiv, und umgekehrt. In Deutschland geht diese Rechnung allerdings nicht auf: Von 13 wichtigen Konkurrenzländern hatte 2004 lediglich Dänemark knapp höhere Lohnstückkosten zu verkraften.

Die Betrachtung des Niveaus der Lohnstückkosten allein kann allerdings in die Irre führen, da ein Land auch dann niedrige Lohnstückkosten aufweisen könnte, wenn es seine Güter besonders kapitalintensiv fertigt. Wichtig für die Bewertung der internationalen Kosten-Wettbewerbsfähigkeit ist daher auch die Entwicklung der Lohnstückkosten.

Empirisch zeigt sich, dass Länder mit einem besonders starken Anstieg der Lohnstückkosten Mühe haben, die Marktanteile auf ihren Absatzmärkten zu verteidigen. Die westdeutsche Industrie hat dies vor allem in der ersten Hälfte der 90er-Jahre zu spüren bekommen, als die Lohnstückkosten denen der Konkurrenz davonliefen. (Sch)



Weiterführende Informationen:

Lohnpolitik - manchmal ist weniger mehr, Institut der deutschen Wirtschaft, iwd März 2007

Im vergangenen Jahr wuchs die deutsche Wirtschaft mit 2,7 Prozent so kräftig wie schon lange nicht mehr und die Konjunkturprognosen sind weiterhin optimistisch. Nun wollen die Gewerkschaften die Gunst der Stunde nutzen – sie fordern bis zu 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Völlig aus dem Blick geraten scheint dabei, dass hierzulande immer noch über 4 Millionen Menschen Arbeit suchen. Dabei sprechen die Erfolge der Lohnmäßigung in den vergangenen zehn Jahren für sich: Diese Strategie sicherte Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zufolge mehr als 600.000 Jobs.*)
(...)
Die einfachste Empfehlung dazu gab der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung bereits in den sechziger Jahren ab: Die Löhne sollen etwa in dem Maß erhöht werden, in dem die Produktivität gestiegen ist – darunter versteht man die Menge dessen, was Arbeitskräfte je Stunde herstellen. Diese Regel gilt auch in Zeiten des Konjunkturaufschwungs. Denn wenn Löhne und Arbeitsleistung im Gleichschritt wachsen, bleiben die Lohnstückkosten der Unternehmen konstant. Die Firmen müssen dann weder ihre Preise an veränderte Kosten anpassen, noch Personal abbauen, um Kosten zu sparen. (...)

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