Nachhaltigkeit

Der Begriff stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft: Danach wird ein Wald dann nachhaltig genutzt, wenn nur so viel Holz eingeschlagen wird, wie auch nachwächst.

Dieses Prinzip wurde von der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (Brundtland-Kommission, benannt nach der ehemaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland) auf die Bereiche Wirtschaft und Gesellschaft übertragen. Die Kommission hat den heute allgemein akzeptierten Begriff so defíniert: "Nachhaltige Entwicklung bedeutet eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der gegenwärtig lebenden Menschen entspricht, ohne die Fähigkeiten zukünftiger Generationen zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu gefährden".

Die UN-Konferenz 1992 in Rio de Janeiro hat dieses Prinzip zur Maxime allen gesellschaftlichen Handelns in der globalisierten Welt erhoben. Danach ist nachhaltige Entwicklung ein normativ-ethisches Konzept, das in vielfältiger Beziehung zu den gesellschaftlichen Grundwerten Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität steht. Sie sollen nach heutigem Verständnis nicht nur zwischen den einzelnen Menschen und gesellschaftlichen Gruppen geübt werden, sondern auch zwischen Ländern und Kontinenten. Im Einzelnen leiten sich daraus drei Verantwortlichkeiten ab, die den Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung bestimmen sollen:

Alle heute lebenden Menschen sollen ein menschenwürdiges Leben in freier Selbstbestimmung führen können. Die heutige Generation hat bei ihren Entscheidungen die Verantwortung dafür zu tragen, dass den künftigen Generationen die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten gegeben sind wie heute. Aus dem Postulat der Gerechtigkeit resultiert auch die Verpflichtung der Industrieländer gegenüber den Entwicklungsländern, der wachsenden Armut entgegenzuwirken und die Entwicklungsmöglichkeiten in den Ländern der Dritten Welt zu verbessern. Die Enquête-Kommission des 12. Deutschen Bundestages "Schutz des Menschen und der Umwelt" hat das Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung formuliert. Es geht vor der integrativen und gleichberechtigten Berücksichtigung ökonomischer, ökologischer und sozialer Belange aus. Eine Umsetzung dieser Vorstellung heißt, das Modell der ökologischen und sozialen Marktwirtschaft überall auf der Welt zum Grundgerüst einer nachhaltigen Entwicklung werden zu lassen.

Inzwischen hat die Bundesregierung einen "Rat für Nachhaltige Entwicklung" einberufen (siehe Link unten), dem 17 Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Umweltverbänden angehören. Aufgabe des Rates ist es, die Bundesregierung bei der Entwicklung einer nationalen Nachhaltigkeitsstrategie zu beraten. Die Bundesregierung will zum "World Summit on Sustainable Development" Anfang September 2002 eine entsprechende Strategie präsentieren. (Vo)

 

Weiterführende Informationen:


Angebotsorientierte Umweltpolitik - Positionsbestimmung und Perspektiven, von Hubertus Bardt / Michael Hüther

Kurzbeschreibung: Die Grundsteine der deutschen Umweltpolitik wurden vor rund 35 Jahren gelegt. Seitdem haben erhebliche Veränderungsprozesse stattgefunden. Die praktische Politik hat sich verändert, aber auch die wirtschaftliche, soziale und ökologische Wirklichkeit ist heute eine andere als Anfang der siebziger Jahre. Ein in sich schlüssiger konzeptioneller Rahmen, der die verschiedenen umwelt-, sozial- und wirtschaftspolitischen Zielsetzungen wie die der Nachhaltigkeit systematisch integriert, ist bis heute gleichwohl nur in Ansätzen vorhanden. Der Beitrag wirft einen Blick auf das Erreichte und bietet einen Ausblick auf die Herausforderungen der nächsten Jahre. Der Befund wird mit der Positionierung für eine Umweltpolitik verknüpft, die auch die großen gesellschaftlichen Reformdebatten der Gegenwart zur demographischen Entwicklung und den bestehenden Schwierigkeiten bei der Gestaltung des wirtschaftlichen Strukturwandels einbezieht.

Zu beziehen ist dieses Buch unter anderem hier.

 

Nachhaltigkeit (Campus Einführungen), von Armin Grunwald, Jürgen Kopfmüller

Kurzbeschreibung: Nachhaltigkeit ist ein weltweit anerkanntes Leitbild in Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Es zielt auf eine Umsteuerung auf globaler, nationaler und lokaler Ebene, um die Lebenssituation der heutigen Generation in ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht zu verbessern. Gleichzeitig sollen die Lebens- und Entwicklungschancen künftiger Generationen nicht gefährdet werden. Die Autoren geben einen umfassenden Einblick in die Geschichte des Leitbilds der nachhaltigen Entwicklung sowie in Konzepte ihrer Realisierung. Sie stellen die wesentlichen Anwendungsfelder vor, die relevanten gesellschaftlichen Akteure sowie die konkreten politischen Strategien zur Umsetzung nachhaltiger Entwicklung.

Zu beziehen ist dieses Buch unter anderem hier.

 

Einspruch. Wider den organisierten Staatsbankrott, von Oswald Metzger


Kurzbeschreibung: Nachhaltigkeit ist für Oswald Metzger, längjähriger Berater der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), nicht nur beim Umweltschutz sondern auch in der Finanzpolitik zentral. So fordert er unter anderem Einschnitte ins soziale Netz, weil er überzeugt ist, dass aus Gründen der Nachhaltigkeit diese Generation ihren Kindern keine Schuldenlasten hinterlassen darf, diese diese nicht schultern kann. Mit seinem Buch "Einspruch. Wider den organisierten Staatsbankrott" hat der heutige Landtagsabgeordnete und frühere Haushaltsexperte der Bundestagsfraktion B 90 / Die Grünen eine Abrechnung mit dem Berliner Politikbetrieb vorgelegt.

Oswald Metzger hält eine Brandrede auf das Versagen der Politik und schlägt harte Alternativen vor: Weg mit dem übertriebenen Kündigungsschutz - dieser habe sich "zur Einstellungsbarriere entwickelt". Sozialleistungen nur für wirklich Bedürftige, Abschied vom derzeitigen Rentensystem - stattdessen sollen stärker selbst fürs Alter vorsorgen. Runter mit den Haushaltsdefiziten -- der Politik will Metzger "das Instrument der Verschuldung aus der Hand schlagen".

Zu beziehen ist dieses Buch unter anderem hier
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