Standortfrage
Über die Attraktivität Deutschlands als Standort für Unternehmen, die investieren und produzieren wollen und damit Arbeitsplätze schaffen, wird weiter diskutiert. Während die einen nicht an der guten Standortqualität, sprich Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik zweifeln, sehen die anderen den "teuersten Standort der Welt" zum wirtschaftlichen Untergang verurteilt.
Die Fakten zeigen ein ähnlich unterschiedliches Bild: Einerseits zählt Deutschland zu den größten Exportnationen der Welt. Die Handelsbilanz weist hohe Überschüsse aus, die D-Mark galt bis zu ihrer Ablösung durch den Euro weltweit als eine der stärksten und stabilsten Währungen. Beurteilt man die Bundesrepublik aber nicht nur nach ihrer Exportkraft, sondern als Produktions- und Investitionsstandort, dann offenbaren sich nicht mehr zu übersehende Schwächen: So hat Deutschland auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik zum Beispiel die höchsten Arbeitskosten der Welt, leistet sich die kürzesten Arbeitszeiten aller Industrienationen und bürdet seinen Unternehmen zusätzlich eine hohe Steuerbelastung auf. Das alles hat dazu geführt, dass die deutschen Unternehmen im internationalen Vergleich relativ niedrige Gewinne erwirtschaften.
Diese Belastungen erklären auch, warum sowohl inländische als auch ausländische Unternehmen in den neunziger Jahren vergleichsweise wenig in Deutschland investiert haben. Während hierzulande die realen Ausrüstungsinvestitionen im Durchschnitt der Jahre 1992/2000 um etwas über ein Prozent zugelegt haben, waren es in den USA zum Beispiel fast zehn Prozent. Auch deutsche Unternehmen legen einen immer größeren Teil ihrer Investitionsbudgets jenseits der nationalen Grenzen an: Die deutschen Auslandsinvestitionen sind in den neunziger Jahren um durchschnittlich fast 14 Prozent gestiegen. Das ist ein wichtiger Hinweis auf Schwächen am "Standort D". Das Standortpotenzial der Bundesrepublik, ihre gute Infrastruktur, das vorbildliche Bildungssystem und der hohe Stand an technischem Wissen können nur optimal genutzt werden, wenn bei den Problemfaktoren das Gefälle zum Ausland verringert wird. (Be)
Interview mit Professor Dr. Hans Tietmeyer: Reformen beginnen zu wirken, April 2007
Hans Tietmeyer sieht Hoffnungszeichen für Deutschland. In einem aktuellen Interview Er habe auch den Eindruck, dass die deutsche Politik die Probleme erkannt habe, erklärte der frühere Bundesbankpräsident und heutige Vorsitzende des Kuratoriums der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Allerdings mahnte der INSM-Kuratoriumsvorsitzende weitere Strukturreformen vor allem am Arbeitsmarkt und in der Sozial- sowie Finanzpolitik an, damit Deutschland nicht nur ein konjunkturelles Zwischenhoch, sondern durch weitere Verbesserungen der Standortqualität einen nachhaltigen Aufschwung erleben kann. Tietmeyer forderte jn dem Interview auch, dass die Bundesregierung den aktuellen Aufschwung entschlossen zum Schuldenabbau nutzt.
Dies begründete er folgendermaßen: "Ein Staat, der sorgsam wirtschaftet, schafft Vertrauen bei den Investoren und verbessert damit die mittel- und langfristige Perspektive auf neue Arbeitsplätze und neues Wachstum. Für Investitionen entscheidend ist eben nicht nur die aktuelle Nachfrage, sondern die Perspektive für die weitere Entwicklung der Standortbedingungen."
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Direktinvestitionen - Deutschland zieht Hightech-Firmen an, Institut der deutschen Wirtschaft Köln, iwd Februar 2007
Der Standort Deutschland ist attraktiver als oft vermutet – ausländische Firmen haben seit Mitte der neunziger Jahre zwischen Nordsee und Alpen mehr als 400 Milliarden Dollar investiert. Vor allem forschungsintensive Branchen schätzen die gut ausgebildeten Fachkräfte sowie die zuverlässige Infrastruktur. Allerdings macht ihnen unter anderem der Bürokratie- und Regulierungsdschungel das Leben unnötig schwer.
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