Tarifpartner

Grafik: Tarifpartner Das Tarifvertragsgesetz (TVG) berechtigt die Tarifpartner Tarifverträge abzuschließen, die die Gestaltung der Lohn- und Arbeitsbedingungen regeln. Sie tun dies in eigener Zuständigkeit und Verantwortung (Tarifautonomie). Privatrechtlich gesehen handelt es sich um Vereine, die sich frei gebildet haben. Die Mitgliedschaft eines Arbeitnehmers oder eines Unternehmers ist freiwillig.

Die Gewerkschaften vertreten die Arbeitnehmer. Sie sind heute vorwiegend nach dem so genannten Industrieverbandsprinzip gebildet: Die organisierten Arbeitnehmer in einem Industriezweig gehören einer Industriegewerkschaft, zum Beispiel der IG Metall an. Wichtigste Dachorganisation der Gewerkschaften ist der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB).

Spitzenorganisation der Arbeitgeberverbände ist die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Ihre Mitglieder sind die nach Wirtschaftszweigen gebildeten Fachverbände (z. B. GESAMTMETALL, Bundesarbeitgeberverband Chemie) sowie die regionalen Arbeitgeberverbände (überfachliche Landesverbände).

Die Tarifpartner vertreten unterschiedliche Interessen: Fordern die Gewerkschaften etwa kräftige Lohn- und Gehaltserhöhungen oder Arbeitszeitverkürzungen für ihre Mitglieder, bedeutet das für die Unternehmer erhöhte Kosten, die - soweit sie den Zuwachs der Produktivität überschreiten - die Produkte verteuern und damit die Position der Unternehmen im internationalen Wettbewerb verschlechtern. Die Tarifverhandlungen dienen dazu, zwischen diesen unterschiedlichen Interessen einen Ausgleich zu finden. Lohnsteigerungen und sonstige Verbesserungen der Arbeitsbedingungen können am Ende nur auf dem Wege eines Kompromisses erreicht werden. (Lh)

 

Weiterführende Informationen:

Zwischen Konfrontation und Kompromiss - Grundzüge der Tarifpolitik" von Irina Berenfeld und Andreas Wodok

Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften ringen in jedem Jahr um neue Tarifabschlüsse. Besonders in konjunkturell schwierigen Phasen kann eine falsche Tarifpolitik fatale Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen haben. Die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft hängt nicht zuletzt davon ab, wie sich die Kosten für den Faktor Arbeit weiter entwickeln. Die 6. Auflage dieser Broschüre gibt wieder einen fundierten Überblick darüber, wie Tarifpolitik funktioniert und wie sich tarifpolitische Entscheidungen auf die Wirtschaft auswirken können.

Zu beziehen ist diese Broschüre unter anderem hier.

 

Tarifpolitik unter Reformdruck. Benchmarking Deutschland Aktuell, von Claus Schnabel

Kurzbeschreibung:
Die Lohn- und Tarifpolitik ist in den letzten Jahren ein zentrales Thema der wissenschaftlichen und politischen Reformdebatte in Deutschland geworden. In mancherlei Hinsicht wird das deutsche Tarifsystem für zu wenig flexibel und zukunftsfähig gehalten.
Die vorliegende Studie nimmt vor diesem Hintergrund eine umfassende Bestandsaufnahme vor. Sie stellt die wesentlichen Strukturen und die jüngeren Entwicklungen insbesondere in folgenden Bereichen dar: Reichweite von Flächentarifverträgen, Dezentralisierung der Tarifpolitik, Entwicklung tariflicher und effektiver Entlohnung, Differenzierung von Tarifverträgen und Lohnstrukturen, Verbreitung flexibler Entgeltbestandteile.
Diese Befunde werden mit Bezug auf gesamtwirtschaftliche Erfordernisse und die Wirkung auf Beschäftigung und Arbeitslosigkeit bewertet. Über die Analyse hinaus zeigt die Studie auch den tarifpolitischen Reformbedarf in Deutschland auf und entwickelt Strategien für eine beschäftigungsorientierte Lohn- und Tarifpolitik.

Zu beziehen ist dieses Buch unter anderem hier.