Technikakzeptanz

Unter dem Begriff Technikakzeptanz wird im Allgemeinen die Einstellung der Bevölkerung zu Wissenschaft und Technik verstanden. Im Speziellen kann es sich aber auch um Einstellungen zu einzelnen Techniken und ihren jeweiligen Anwendungsfeldern handeln (z.B. Informations- und Kommunikationstechnik). Die Technikakzeptanz ist letztlich mit entscheidend für die Legitimation von Technik. In der Akzeptanzforschung haben sich im Großen und Ganzen zwei Wege herauskristallisiert: Der sozialtechnologische Weg, dessen Schwerpunkt in der Einstellungsmessung der Bevölkerung liegt, sowie der partizipativ-diskursive Weg (Gruppengespräche, Konsensuskonferenzen), bei dem Betroffene mit Teilhaberechten ausgestattet werden. Eine Kongruenz von Technik-Betroffenen und -Entscheidern kann nicht in jedem Fall hergestellt werden. Dies und auch die unterschiedlichen Betroffenheitsgrade und Präferenzlagen macht die Technikakzeptanz auch oft zu einem Politikum, das sich jenseits des Marktes in unterschiedlichen Steuerungsansprüchen hinsichtlich der technischen Entwicklung niederschlagen kann. In marktwirtschaftlich organisierten Volkswirtschaften gilt idealerweise die Marktakzeptanz als eine wichtige Entscheidungsinstanz über die Technik. Dies setzt aber voraus, dass ausreichend Alternativen gegeben sind.

Die Technikakzeptanz gehört mit zu den Faktoren, die das Innovationsklima und die Innovationsrate einer Volkswirtschaft mitbestimmen. Während in der Vergangenheit eine mangelnde Technikakzeptanz überwiegend als ein negativer Standortfaktor aufgefasst wurde, wird dieser Indikator in neuerer Zeit auch als ein konstruktiv nutzbares Phänomen betrachtet, das anzeigt, was verbessert werden muss; dies ist für eine spätere Technikakzeptanz eher von Vorteil. In der Art der Technikakzeptanz spiegeln sich Erwartungen, Hoffnungen und Wünsche der Befragten wider. Eine eher ablehnende Haltung deutet daher auf Divergenzen über den gesellschaftlichen Umgang mit neuen Techniken hin. Von der faktischen Akzeptanz der Bevölkerung ist die Akzeptabilität zu unterscheiden. Hier werden unter Zugrundelegung normativer Grenzwerte die sozioökonomische und ökologische Zumutbarkeit der Folgen von Technik definiert. Diese Kriterien gehen bereits in die Konstruktion von Technik ein, um Akzeptanz zu sichern.

Ein wichtiger Weg zur Beeinflussung der Technikakzeptanz ist die so genannte Nutzerintegration, indem die Nutzerpräferenzen in die Entwicklung von Techniken einbezogen werden. Auf diesem Wege können spätere mögliche Technikkonflikte entschärft werden. Dennoch ist zu berücksichtigen, dass sich die Präferenzen ändern können; in einer offenen Gesellschaft sollte deshalb der Weg der technischen Entwicklung auf der Suche nach den besten Lösungen möglichst offengehalten werden.

Auf der Mikroebene werden die Akzeptanz einer neuen Technik und damit deren Diffusion vor allem durch folgende Kriterien bestimmt: Wahrnehmbarkeit des relativen Vorteils, Grad der Übereinstimmung mit bestehenden Werten und Normen, Grad der erforderlichen neuen Kenntnisse und Fähigkeiten zur Nutzung, Möglichkeiten zur Erprobung und Anpassung sowie Grad der Beobachtbarkeit von Innovationsprozessen.

Der deutschen Gesellschaft wurde lange eine mangelnde Technikakzeptanz vorgeworfen; dies spielte in der Standortdiskussion eine nicht unerhebliche Rolle. Nach neueren Untersuchungen muss dies jedoch relativiert werden: Je nach Art der Technik und ihrem Anwendungsfeld fallen die Akzeptanzgrade unterschiedlich aus. Zu fragen wäre daher danach, welche Technik von wem abgelehnt oder akzeptiert wird.

Anhaltende Technikaversionen werden sich hoch entwickelte Volkswirtschaften im internationalen Wettbewerb nicht erlauben können. Die moderne Gesellschaft muss in der Lage sein, mit Risiken zu leben, also ein gewisses Maß an Unsicherheit zu ertragen. Immer wieder diskutiert wird dabei, welches zumutbare und welches nicht zumutbare Risiken sind. Meist werden vom Einzelnen selbst gewählte technische Risiken eher akzeptiert als fremd zugeteilte. Gegenwärtig ist es um die Technikakzeptanzfrage zwar ruhiger geworden, doch vor dem Hintergrund des demographischen Wandels (Alterung) wird befürchtet, dass eine alternde Gesellschaft sich der Technik gegenüber ablehnender verhalten könnte. Relativ sicher scheint zu sein, dass sich eine alternde Bevölkerung risikosensibler und technikkritischer verhalten wird; dies ist indes nicht gleichzusetzen mit grundsätzlicher Technikverweigerung. Die Technikentwicklung wird sich deshalb nicht nur auf den globalen Technologiewettbewerb, sondern auch auf die neue Bevölkerungsweise und ihre Präferenzen einzustellen haben.(Me)