Telearbeit
Durch die Technik, besonders die der moderne Informations- und Kommunikationstechnik, verändert sich die Arbeitswelt immer rascher. Ein wesentliches Merkmal dieser Veränderung ist das Aufkommen der so genannten modernen computerunterstützten Telearbeit (Arbeiten von der Ferne aus).
Nachdem durch die Industrialisierung zunächst der Mensch zur Arbeit kommen musste, besteht in der Informationsgesellschaft nunmehr die Chance, dass die Arbeit mehr und mehr zu den Menschen kommt und selbst die Arbeitsorte flexibel gewählt werden können. Besonders für strukturschwache, ländliche Gebiete sowie für körperbehinderte Menschen bietet der technische Fortschritt in dieser Form neue Chancen der Integration. Auch werden der Berufsverkehr und die Ballungsräume entlastet und der Energieverbrauch geringer.
Hinzu kommt, dass immer mehr Arbeitsinhalte aufgrund des allgemeinen Strukturwandels informations- und wissensintensiv werden, was die Auslagerung von Arbeit aus dem räumlichen Unternehmenskomplex erleichtert. Dabei ist nicht jede Arbeit hierfür geeignet; in erster Linie handelt es sich um solche Arbeiten, die einen Datentransfer zulassen und relativ eigenverantwortlich und selbstständig zu verrichten sind. Die Einführung von Telearbeit bedarf einer gründlichen Vorbereitung und geeigneter organisatorischer, technischer und rechtlicher Konzepte. Auf jeden Fall sind vor Einführung genaue Wirtschaftlichkeitsberechnungen im Sinne von Kosten- Nutzenabwägungen erforderlich.
Mit der Telearbeit werden vor allem folgende Merkmale verbunden: 1. Die Tätigkeit stützt sich auf programmgesteuerte Arbeitsmittel wie etwa den PC und den Bildschirm. 2. Der Arbeitsplatz, an dem die Tätigkeit verrichtet wird, ist räumlich getrennt vom Arbeitgeber bzw. Auftraggeber. 3. Zwischen entferntem Arbeitsplatz und dem Arbeitgeber besteht eine elektronische Kommunikationsverbindung. 4. Ein erheblicher Teil der Arbeitszeit wird am entfernten Arbeitsplatz verbracht.
Meist wird zwischen verschiedenen Formen der Telearbeit unterschieden. Einige wichtige Organisationsformen sind:
1. Die reine Teleheimarbeit: Hierbei arbeitet der angestellte Mitarbeiter während seiner gesamten Arbeitszeit an einem Ort außerhalb des Unternehmens. Er ist in das interne soziale Geflecht des Unternehmens so gut wie nicht eingebunden.
2. Die alternierende Telearbeit: Die erwerbsmäßige Arbeit wird teils vor Ort beim Arbeitgeber und teils an einem anderen Ort verrichtet.
3. Arbeit in Nachbarschafts- oder Satelitenbüros: Telearbeiter verschiedener Unternehmen arbeiten in gemeinsamen Räumen. Nachbarschaftszentren haben meist noch soziale und kulturelle Infrastrukturen.
4. Mobile Telearbeit: Mitarbeiter setzten mobile IuK-Techniken (z. B. Laptops) ein, um unterwegs zu arbeiten; sie hat Ähnlichkeiten zur alternierenden Telearbeit.
5. Selbstständige Telearbeit : Der Arbeitnehmerstatus entfällt, der Auftragnehmer arbeitet als Selbstständiger von zu Hause aus. Aus solchen Arbeitsplätzen kann etwa ein virtuelles Unternehmen bestehen; die Mitarbeiter sind miteinander kommunikationstechnisch verknüpft und arbeiten selbstständig an einem gemeinsamen Projekt zusammen.
Bei der Diskussion um die Telearbeit geht es um die Vorteile und Nachteile für die Telearbeiter selbst sowie für die Unternehmen:
Vorteile für Telearbeiter: keine Pendelzeiten, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, größere Zeitsouveränität; Nachteile: mögliche soziale Isolation, keine Trennung zwischen Privat- und Berufsleben, Nachteile bei der Karriere.
Vorteile Unternehmen: höhere Produktivität und Kreativität der Mitarbeiter, Kostenersparnis bei Büroflächen etc., höhere Anpassungsfähigkeit und Flexibilität; Nachteile: größerer Koordinierungsbedarf, Probleme der Datensicherung und des Datenschutzes, Reibungsverluste durch mögliche Konflikte zwischen Management und Mitarbeiter.
In der Europäischen Union gab es 2002 gut 20 Millionen Telearbeitsplätze, davon allein sechs Millionen in Deutschland - dies waren etwa knapp 17 Prozent aller Erwerbstätigen. (Me)
Weiterführende Informationen:
Mit Eigeninitiative und Flexibilität - Aufbruch in die neue Arbeitswelt, Broschüre der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) mit Inhalten aus einem wissenschaftlichen Projekt des Instituts der deutschen Wirtschaft
Der Unternehmer Martin Kannegiesser, Mitglied des Kuratoriums der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), schrieb in diesem Heft über die Chancen der neuen Arbeitswelt im 21. Jahrhundert:
"In den Fabriken und Büros wandeln sich die Konturen der Arbeit. Die Arbeitszeiten werden noch flexibler und auf den Einzelnen zugeschnitten. Neue Beschäftigungsformen wie Teilzeitarbeit, Zeit- und Leiharbeit oder Telearbeit bringen ebenfalls mehr Beweglichkeit in die Unternehmen. Projektarbeit und Teamarbeit gewinnen an Bedeutung: Experten verschiedener Fachrichtungen werden für wechselnde Aufgaben in immer neuen Arbeitsgruppen zusammengestellt. Neue Beschäftigungsformen bringen neue Beschäftigungschancen, gerade auch für die Frauen, deren Erwerbsbeteiligung in den letzten Jahren steigt."
Aus dem Inhalt:
1. Die Chancen der neuen Arbeitswelt
2. Starke Antriebskräfte am Werk
3. Vom Produkt zur Problemlösung
4. So machen wir uns fit für morgen
5. Mehr Freiraum und mehr Verantwortung
6. Lernen auf der Datenautobahn
7. Passender Rahmen für die moderne Arbeitswelt
8. Die Job-Perspektiven der Frauen werden immer besser
9. Arbeitswelt der Zukunft
Die Broschüre ist hier zum kostenlosen Download verfügbar.

