Vermögenseffekt

Grafik: Aktienkurse in den G7-Ländern Nachdem die Aktienkurse seit Mitte der neunziger Jahre überall stark angestiegen sind, gehen sie seit dem Jahr 2000 wieder zurück. Vor dem Hintergrund dieses Kursrutsches stellt sich die Frage, ob und inwieweit die Börsenentwicklung auch die Konjunktur beeinträchtigen kann - ging man bisher doch eher davon aus, dass die Konjunktur die Börse beeinflusst:

Unternehmenssektor: Durch einen Aktiencrash ist es für Firmen schwieriger, sich Eigenkapital über Kapitalerhöhungen oder einen Börsengang zu beschaffen. Dienen Aktien außerdem als Kreditsicherheit, dann führt ein niedrigerer und unsicherer Wert dieser Sicherheit zu höheren Risikoaufschlägen. Das wiederum erhöht die Zinsen und verteuert Investitionen. Des Weiteren können sich ausländische Investoren zurückhalten. Ziehen diese ihr Geld sogar ab, dann besteht im Extremfall sogar die Gefahr einer Zahlungsbilanzkrise mit negativen Auswirkungen auf das internationale Währungsgefüge.
 
Haushaltssektor: Durch den Kursrutsch sinkt ein Teil des Vermögens der Privaten Haushalte - und zwar nicht nur das Aktienvermögen, sondern auch die Renditen und Auszahlungen von Lebensversicherungen. Die Haushalte sind praktisch ärmer, und es steht zu befürchten, dass sich dies negativ auf den Konsum auswirkt.

Dienen Aktien und ihre potentiellen Erträge als Sicherheit für Kredite, dann wird auch für manchen verschuldeten Konsumenten die Luft dünner, was ebenfalls konsumdämpfend wirken kann. Außerdem haben die beschriebenen Investitionseffekte auch negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Gehen Jobs infolge des Aktiencrashs verloren, dann dämpft dies ebenfalls die Konsumlaune. Zum einen können Arbeitslose weniger Geld ausgeben und zum anderen werden auch die Beschäftigten beim Konsum zurückhaltender und sparen wieder mehr für eventuell schlechtere Zeiten.

Der Aktienbesitz ist in Deutschland allerdings weit weniger ausgeprägt als in den USA. Deswegen ist Deutschland auch weniger anfällig für börsenbedingte Konjunkturschwankungen. Nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank hat ein dreißigprozentiger Aktienrutsch - wie er beispielsweise im Zeitraum Januar bis Juli 2002 beim DAX eingetreten ist - eine dämpfende Wirkung auf den privaten Konsum. Diese sollte mit -0,1 Prozentpunkten allerdings nicht überbewertet werden. (Ro)

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