Wechselkurzzielzonen
Von Globalisierungskritikern, aber auch von einigen Wissenschaftlern wird zuweilen die Einführung von Wechselkurszielzonen gefordert. Dabei wird in erster Linie an die Wechselkurse zwischen den großen Währungsblöcken mit dem US-Dollar, dem Euro und dem japanischen Yen gedacht. Dazu sollen recht große Bandbreiten von beispielsweise 10 bis 15 Prozent um einen mittleren Wert für die jeweiligen Wechselkurse vorgegeben werden. Sobald diese Grenzen überschritten zu werden drohen, würden die beteiligten Zentralbanken und möglicherweise auch der Internationale Währungsfonds versuchen, den Wechselkurs innerhalb der Bandbreite zu halten. Damit ist die Hoffnung verbunden, dass sich keine größeren und länger anhaltenden Abweichungen von den ?richtigen? Wechselkursen ergeben, die etwa auf spekulativem Verhalten von Anlegern beruhen und sich im Zuge eines Herdentriebs selbst verstärken können. Soweit es gelingt, die Wechselkurserwartungen zu stabilisieren, dürften auch die kurzfristigen Schwankungen gedämpft werden.
Tatsächlich zeigt sich, dass die US-Dollar-Wechselkurse von D-Mark/Euro und Yen, die sich frei am Devisenmarkt gebildet haben, in den vergangenen Dekaden recht starken längerfristigen Schwankungen unterworfen waren. Dabei stellt sich die ? letztlich kaum zu beantwortende ? Frage, ob es dabei nicht auch merkliche Abweichungen von den ?richtigen? Wechselkursen gegeben hat, wie es etwa bei der Euro-Abwertung in den Jahren 1999 bis 2001 zuweilen vermutet wurde. Bemerkenswert ist auch, dass sich immer wieder innerhalb nur weniger Jahre bedeutende und möglicherweise überzogene Wechselkursverschiebungen ergaben, was für Unternehmen erhebliche Anpassungsprobleme mit sich brachte.
Eine Stabilisierung der Wechselkurse um den ? sich verändernden ? ?richtigen? Wert erscheint daher zwar wünschenswert. Dieses Ziel ist aber ? auch durch Wechselkurszielzonen ? wohl nicht zu erreichen. Denn letztlich dürfte dieses Konzept am gleichen Problem scheitern, an dem viele feste Wechselkursregime gescheitert sind.
Wenn etwa der US-Dollar gegenüber dem Euro soweit abwertet, dass er an die Grenze der Zielzone kommt, müssten die Zentralbanken US-Dollar kaufen und Euro verkaufen, um den Kurs innerhalb der Bandbreite zu halten. Eine ähnliche Situation gab es mehrfach zwischen der D-Mark und anderen europäischen Währungen im früheren Europäischen Währungssystem. Hier kam es immer wieder zu einer für Spekulanten sehr profitablen ?Einbahnstraßen?-Spekulation, wenn sich die Meinung herausgebildet hatte, dass der Wechselkurs nicht mehr gerechtfertigt war. Da die Umsätze im >Devisenhandel sehr hoch sind, kamen die Zentralbanken nicht längere Zeit gegen einen solchen Trend an. Auch in Zukunft ist dies nicht zu erwarten. Dies gilt umso mehr, als Rückwirkungen der Devisenmarkt-Interventionen auf die heimische Geldpolitik erheblich sein können. Im geschilderten Fall würde bei massiven Interventionen der Europäischen Zentralbank, die sich gegen eine Euro-Aufwertung stemmte, die Geldmenge im Euroraumstark zunehmen und somit mittelfristig ein erhebliches unerwünschtes Inflationspotenzial entstehen.
Letztlich ist somit sehr fraglich, ob die Wechselkurszielzone verteidigt werden kann. Fehlt es aber an Glaubwürdigkeit, bricht das gesamte Konzept zusammen. Es könnte sogar dazu kommen, dass Wechselkurszielzonen spekulative Attacken erst begünstigen und in der Folge die Wechselkurse noch stärkeren Schwankungen unterliegen. (Ma)

