Welthandelsorganisation

Grafik: Handel und Wachstum Die Welthandelsorganisation wurde am 1.1.1995 gegründet und hat ihren Sitz in Genf. Sie ist die Nachfolge-Organisation des allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens GATT. Das GATT-Vertragswerk trat am 1.1.1948 in Kraft und hatte nach der Phase des >Protektionismus in der Zwischenkriegszeit die Zielsetzung, den internationalen Warenaustausch fortwährend zu liberalisieren, um so weltweit Handel, Wachstum und Wohlstand zu fördern (siehe Grafik). Zentrales GATT-Prinzip ist das Nichtdiskriminierungs­gebot. Es sieht einen globalen Handel zu gleichen Bedingungen für alle beteiligten Staaten vor, um so Verzerrungen in der Effizienz steigernden internationalen Arbeitsteilung zu vermeiden (>Außenhandel). Im Zuge von acht Zollsenkungsrunden in der Zeit zwischen 1947 und 1993 wurden die durchschnittlichen Zolltarife auf Waren um mehr als 80 Prozent gesenkt. Die durchschnittlichen Zölle auf Industriegüter liegen in den USA, Japan und der Europäischen Union deutlich unter 5 Prozent.

Die Gründung der WTO wurde als Durchbruch gefeiert, da es gelang, einige Unzulänglichkeiten des GATT zu eliminieren, das gleichwohl als ein Bestandteil der WTO aufgenommen wurde. Im Gegensatz zum provisorischen GATT-Vertragswerk hat die WTO den Status einer internationalen Organisation. Zahlreiche Ausnahmerege­lungen (etwa bei Dumping und handelsrelevanten Subventionen) wurden beseitigt und ein effizienteres Streitschlichtungsverfahren eingeführt. Agrar- und Textilhandel - zuvor von protektionistischen Sonderregelungen geprägt ? wurden integriert. Vor allem der Textilhandel wurde in mehreren Schritten und einer 10-jährigen Übergangsfrist liberalisiert, indem seit Jahrzehnten bestehende Einfuhrbeschränkungen für eine Reihe von Entwicklungsländern (u.a. China und Indien) abgeschafft wurden. Ebenso einbezogen wurde der zunehmend an Bedeutung gewinnende Handel mit Dienstleistungen (GATS) und mit geistigen Eigentumsrechten (TRIPs), wie etwa Patenten.

Die WTO hat derzeit 149 Mitglieder (Stand: Mitte April 2006), bald werden es mit Tonga 150 sein. Geführt wird die WTO von Pascal Lamy aus Frankreich Generaldirektor, der zuvor Handelskommissar der Europäischen Union war. Wichtiges Organ ist die im Zweijahresrhythmus tagende Ministerkonferenz.

Die Ministerkonferenz im Dezember 1999 in Seattle geriet in die Schlagzeilen, weil zahlreiche >Nicht-Regierungsorganisationen und andere zum Teil militante Gegner der >Globalisierung die Tagung durch massive Proteste störten. Das eigentliche Ziel der Konferenz, eine erneute Welthandelsrunde zu vereinbaren, scheiterte jedoch vor allem an unterschiedlichen Standpunkten der USA, der Europäischen Union und der Entwicklungsländern. Zwei Jahre später gelang es dann ? im politischen Nachhall der Terroranschläge vom 11. September 2001 ? in Doha (Katar), eine neue Welthandelsrunde auf den Weg zu bringen. Sie sollte bereits in wesentlichen Teilen Ende 2004 abgeschlossen sein. Doch haben sich immer wieder Verzögerungen ergeben, was jedoch auch nicht ganz ungewöhnlich ist, da die letzte Welthandelsrunde (Uruguay-Runde) von 1986 bis 1993 dauerte. Enttäuschend war jedoch, dass im mexikanischen Cancun im Herbst 2003 erneut eine Ministerkonferenz scheiterte und auch die Tagung im Dezember 2005 in Hongkong kaum nennenswerte Fortschritte brachte. Im Verlauf des Jahres 2006 wird sich zeigen, ob die WTO-Mitglieder gewillt sind, sich auf weitere greifbare Liberalisierungen des Welthandels zu verständigen. Sollte dies nicht der Fall sein, droht der WTO ein erheblicher Verlust an Glaubwürdigkeit und Durchsetzungskraft. (Ma)

 

Weiterführende Informationen:

Multilateralismus oder Regionalismus? Optionen für die Handelspolitik der Europäischen Union, von Guido Glania / Jürgen Matthes

Die Gründung der WTO (World Trade Organisation) wurde einst als Durchbruch in der Welthandelspolitik gefeiert. Die Liberalisierung des Welthandels verlief jedoch seither schleppend: Regionale und bilaterale Handelsabkommen, die gegenseitige Vorteile festschreiben und andere Nationen außen vor lassen, sind in den vergangenen Jahren vermehrt abgeschlossen worden. Welche Chancen, welche Risiken hat dieser Trend? Welche Wohlstandswirkungen sind damit verbunden? Der vorliegende Band der IW-Analysen beleuchtet den aktuellen Stand, beschreibt die Vor- und Nachteile der Entwicklung und geht dabei besonders auf die eigennützige Perspektive der EU ein.

Zu beziehen unter anderem hier

 

Welthandelsorganisation (WTO) (Taschenbuch)

Kurzbeschreibung: Die Welthandelsorganisation (WTO) verfolgt das Ziel, Handelshemmnisse und Einfuhrbeschränkungen zu beseitigen und für den Waren- und Dienstleistungsverkehr sowie für die Übertragung gewerblicher Schutzrechte einheitliche Regeln und Streitbeilegungsverfahren zu schaffen. Dieser Band enthält eine Auswahl der wichtigsten Texte aus dem Gesamtsystem der Welthandelsorganisation (teils ohne die Anhänge), so u.a.
• das Übereinkommen zur Errichtung der WTO;

• Auszüge aus dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) in den Fassungen von 1947 und 1994;

• das Übereinkommen über technische Handelshemmnisse (TBT);

• das Übereinkommen über handelsbezogene Investitionsmaßnahmen (TRIMs);

• das Allgemeine Übereinkommen über den Handel mit Dienstleistungen (GATS);

• das Übereinkommen über handelsbezogene Aspekte der Rechte des geistigen Eigentums (TRIPS);

• die Vereinbarung über Regeln und Verfahren zur Beilegung von Streitigkeiten.

Zu beziehen ist dieses Buch unter anderem hier.